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08.04.2016, 17:55 Uhr NEUES PAPST-SCHREIBEN

Papst Franziskus zu Ehe und Familie - Neue Wege

Ein Kommentar von Marion Trimborn


Papst Franziskus hat ein neues Schreiben zu Ehe und Familie veröffentlicht. Foto: KNAPapst Franziskus hat ein neues Schreiben zu Ehe und Familie veröffentlicht. Foto: KNA

Osnabrück. Papst Franziskus schlägt beim Thema Sex ein neues Kapitel für die katholische Kirche auf. Sein Schreiben bringt Bewegung in die Kirche. Das macht der Papst sehr geschickt.

Es ist keine Revolution in der kirchlichen Sexuallehre. So weit geht das Schreiben von Papst Franziskus zum Thema Ehe und Familie dann doch nicht. Aber es ist ein Schritt nach vorne.

Reformer könnten enttäuscht sein - aber mehr war nicht zu erwarten. Der Papst rüttelt nicht an den Grundfesten des Vatikans. Wiederverheiratete Geschiedene müssen weiter darauf warten, zur Kommunion zugelassen zu werden. Homo-Ehen erkennt die Kirche erwartungsgemäß auch nicht an. Doch es sind die Zwischentöne, die aufhorchen lassen. Wenn Papst Franziskus davon spricht, dass Ehepartner Sex zum Vergnügen und nicht nur zwecks Fortpflanzung haben, ist das progressiv. Wenn der Papst auf die lange östliche Tradition verheirateter Priester verweist, öffnet das Raum für die Diskussion über das umstrittene Zölibat, das ein Grund für den Priestermangel ist.

Dieser Papst, der als großer Hoffnungsträger für eine Reform der Kirche gilt, agiert geschickt. Aber er kann sich nur in kleinen Schritten bewegen, um die Konservativen in der Kirche nicht zu verprellen und eine Spaltung der Kirche zu verhindern. Unter Franziskus bewegt sich die Kirche - in einem Maß, wie es unter seinem Vorgänger Benedikt undenkbar gewesen wäre. Man kann nur hoffen, dass Franziskus so weitermacht. Und bald auch die Abschaffung des Zölibats angeht.


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