Religionsminister Zakzouk: Ägyptens Regierung braucht keine Lektionen vom Papst „Wir schützen Kopten genauso wie Muslime“

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Osnabrück. In Ägypten wird die koptische Minderheit nach den Worten von Religionsminister Mahmoud Zakzouk nicht diskriminiert. Das betonte der Minister im Interview.

Herr Zakzouk, hat sich die Lage in Ägypten nach dem Anschlag auf eine koptische Kirche wieder beruhigt?

Ja. Dieser Angriff hat die Ägypter vereinigt. So ein terroristisches Attentat ist ganz neu in unserem Land. Ich hoffe, dass es sich nicht wiederholt.

Wie will Ihre Regierung erreichen, dass Kopten ohne Gefahr Gottesdienst feiern können?

Die Kopten haben am 7. Januar Weihnachtsgottesdienst gefeiert – also nach dem Attentat. Die Polizei hat alle Kirchen in Ägypten geschützt, sodass die Kopten ihre Gottesdienste in aller Ruhe abhalten konnten.

Kann die ägyptische Regierung die Kopten dauerhaft vor Angriffen schützen?

Natürlich. Man muss betonen: Die Kopten sind Ägypter. Die Regierung ist verpflichtet, jeden Ägypter zu schützen, sei er Muslim oder Kopte. Präsident Husni Mubarak hat sich öffentlich verpflichtet, die Sicherheit aller zu garantieren.

Sie haben kürzlich in Kairo den CDU-Politiker Volker Kauder empfangen. Wie bewerten Sie das Gespräch?

Ich habe Herrn Kauder gesagt, dass manche Nachrichten im Internet über Ägypten von Kopten aus Deutschland stammen, die seit 30 Jahren nicht mehr in Ägypten waren. Diese Nachrichten sind oft falsch, man darf sich darauf nicht stützen. Außerdem habe ich dagegen protestiert, dass Herr Kauder in einer Erklärung von islamischem Terrorismus spricht. Das ist ein falscher Ausdruck. Denn der Islam lehnt jede Art von Terrorismus ab. Terrorismus kennt keine Religion.

Es gibt Terroristen, die sich ausdrücklich auf den Islam berufen.

Bin Laden beruft sich auf den Islam. Aber der Islam verbietet es, unschuldige Leute zu töten. Im Koran steht: Wenn jemand einen anderen tötet, ist es so, als ob man die ganze Menschheit getötet hat. Solche Attentate lehnt der Islam vollkommen ab.

Wie erklären Sie sich dann, dass sich viele Terroristen auf den Islam berufen?

Es gibt etwa 1,5 Milliarden Muslime auf der Welt. Wie viele Terroristen gibt es? Zehntausend, vielleicht hunderttausend. Warum glaubt man dieser kleinen Gruppe? Die Muslime sind keine Terroristen, sie wollen in Frieden leben. In Ägypten haben Muslime und Kopten 1973 gemeinsam im Krieg gegen Israel gekämpft. Terrorismus existiert erst seit 30, 40 Jahren. Vorher gab es das nicht.

Kopten in Deutschland und Ägypten beklagen sich, sie würden bei Arbeitsplätzen oder in der Politik diskriminiert.

Youssef Boutros-Ghali ist Finanzminister, das ist der wichtigste Posten in der Regierung (lacht). Der Umweltminister ist auch Kopte, er war vorher General in der Armee. Ein Gouverneur in Oberägypten ist Kopte. Wenn die Lage in Ägypten tatsächlich so schlecht für Kopten wäre – warum sind die reichsten Leute in Ägypten Kopten? Die Kopten bei uns lehnen es ab, von Diskriminierung zu reden. Ich habe selber viele koptische Freunde. Wer in Ägypten schaut, wird von Diskriminierung keine Spur finden.

Wie sehen Muslime denn die Christen?

Christus ist für die Muslime eine große Gestalt. Der Koran hat viel über Christus und Maria gesprochen. Man kann nicht sagen, dass Christen und Muslime verfeindet sind. Jeder Angriff auf eine Kirche ist wie ein Angriff auf eine Moschee. Im Koran steht: Jeder Ort, wo man zu Gott betet, muss geschützt werden, sei es für Muslime, Christen oder Juden.

Warum hat Ägypten die Botschafterin beim Vatikan abgezogen? Papst Benedikt XVI. hat doch lediglich Religionsfreiheit gefordert.

Der Papst hat 2006 in seiner Regensburger Rede schlecht über den Islam gesprochen. Jetzt spricht er davon, dass man die Kopten schützen muss. Das ist eine klare Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ägyptens. Nicht nur Muslime lehnen das ab, sondern auch die Kopten selbst. Ägypten ist nicht irgendein Land, sondern hat eine jahrtausendealte Kultur. Wir brauchen keine Lektionen vom Papst oder von irgendwelcher Seite, was wir machen müssen. Wir wissen ganz genau, was wir machen. Wir schützen die Kopten genauso wie die Muslime. Unsere Verfassung betont die Gleichheit.

Die Kopten haben in Ägypten die gleichen Rechte wie Muslime ?

Natürlich. Das steht in der Verfassung. Und es gibt kein Gesetz in Ägypten, das Unterschiede macht.

Handelt es sich bei den Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen um einen Kampf der Kulturen?

Nein. Kopten und Muslime leben in Ägypten seit 14 Jahrhunderten nebeneinander. Die Kopten sprechen genauso arabisch wie die Muslime. Unsere Kultur ist seit pharaonischen Zeiten bis heute unser Eigentum. Wir gehören derselben Kultur an. Es gibt keine verschiedenen Kulturen in Ägypten. Die Sitten und Gebräuche in Ägypten sind die gleich für Muslime und Kopten.

Nimmt der islamische Fundamentalismus in Ägypten zu?

Nein. Man sieht zwar, dass mehr Frauen ein Kopftuch tragen als früher. Aber nicht jede Frau mit Kopftuch ist Fundamentalistin. Sie trägt es entweder aus religiösen Gründen – oder aus finanziellen Gründen, damit sie nicht so viel Geld für ihre Frisur ausgeben muss. Im letzten Parlament (November 2005 bis November 2010) stellten die Muslimbrüder zwar noch 88 Abgeordnete. Aber bei der letzten Wahl erhielten sie keine Plätze im Parlament, weil man festgestellt hatte, dass sie keineErfolge mit ihrer Politik haben.


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