Die Wahrheit über den Kopp-Verlag Glänzende Geschäfte mit Verschwörungstheorien

Von Christof Haverkamp

Die Beweisstrategie von Verschwörungstheoretikern: Sich stets aufeinander beziehen. Hier hält ein Redner auf einer „Baergida“-Demonstration in Berlin ein Buch Udo Ulfkottes hoch. Foto: imago/Kai HorstmannDie Beweisstrategie von Verschwörungstheoretikern: Sich stets aufeinander beziehen. Hier hält ein Redner auf einer „Baergida“-Demonstration in Berlin ein Buch Udo Ulfkottes hoch. Foto: imago/Kai Horstmann

Osnabrück. Eigentlich ist alles ganz anders, als jeden Tag in der Zeitung steht – und selbstverständlich auch in dieser Zeitung. Die wirklichen Hintergründe, angeblich von den „Mainstream-Medien“ verschwiegen, decken die Autoren aus dem Kopp Verlag auf. Zumindest behaupten sie das.

Autoren wie Udo Ulfkotte, Gerhard Wisnewski und Peter Orzechowski verbreiten demnach unterdrückte Wahrheiten. Und sie sprechen ungeschminkt Klartext. Sie bringen „Informationen, die Ihnen die Augen öffnen“, wie der Kopp Verlag aus der schwäbischen Kleinstadt Rottenburg am Neckar auf seiner Homepage verspricht.

Thematisch ist das Buchprogramm unterteilt in die folgenden Rubriken: Phänomene, Prophezeiungen, Enthüllungen, Geheimbünde, Mythologie, verbotene Archäologie und sakrale Rätsel. Dagegen muten weitere Rubriken wie Zeitgeschichte, Medizin & Gesundheit und Finanzwelt eher langweilig an.

Der Versandbuchhändler aus dem Landkreis Tübingen macht offenbar glänzende Geschäfte mit diffusen Ängsten und kruden Verschwörungstheorien. Zahlen sind jedoch nicht offiziell zu erhalten. Fragen an den Kopp Verlag zum Jahresumsatz und zur Zahl der Mitarbeiter, per E-Mail abgesandt am 8. März, hat Geschäftsführer Jochen Kopp unserer Redaktion trotz wiederholter Nachfrage nicht beantwortet.

Millionenumsatz

Die „Frankfurter Allgemeine“ (FAZ) berichtete im vergangenen Jahr, Kopp beschäftige rund 60 Mitarbeiter. 2013 sei das Unternehmen in ein größeres Gebäude umgezogen. Die Wirtschaftsauskunftei Bürgel schätzte den Jahresumsatz 2013 auf immerhin fünf bis zehn Millionen Euro. Eine kleine Klitsche im Hinterhof ist der Buchverlag also nicht. Mehr als zwei Millionen Artikel seien lieferbar, heißt es auf der Startseite.

Das Taschenbuch „verheimlicht vertuscht vergesssen – was 2015 nicht in der Zeitung stand“ von Gerhard Wisnewski gehört dazu. Der Autor, von Kopp gepriesen als „Verfasser legendärer Bücher“, weiß, dass seine steilen Thesen umstritten sind. Auf seiner Homepage schreibt er: „Was früher Hintergrund-Journalismus genannt wurde, wird heute als ‚Verschwörungstheorie‘ oder Schlimmeres diffamiert.“

Geheimdienste stecken hinter allem

Wisnewski hat für viele Ereignisse eine ganz eigene Erklärung. Folgt man seiner Darstellung, dann hat es zum Beispiel niemals eine bemannte Mondlandung gegeben. Die Bilder seien vielmehr in einem TV-Studio entstanden, schreibt er. Und die RAF-Anschläge sind demnach auch nicht von den Terroristen der „Roten Armee Fraktion“ verübt worden, sondern in Wahrheit von westlichen Geheimdiensten.

Mit dem Einsturz der Zwillingstürme am World Trade Center in New York am 11. September 2001 hat das Netzwerk Al Qaida nach Wisnewskis Darstellung nichts zu tun. Hinter allem habe eine Verschwörung von Regierungen und Gemeindiensten gestanden.

Der ehemalige FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte schreibt seit 2008 für den Kopp Verlag. Der Autor, auch schon mal Redner auf einer Pegida-Demonstration, wettert gegen eine angeblich schleichende Islamisierung Deutschlands. Warnt vor dem Albtraum Zuwanderung. Beklagt „Lügen, Wortbruch, Volksverdummung“.

Vom FAZ-Redakteur zum Bestsellerautor

Die „Spiegel-Bestseller-Liste“ stürmte Ulfkottes Buch „Gekaufte Journalisten. Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken“. Medienjournalist Stefan Niggemeier schrieb dazu in seinem Blog: „So lügt Udo Ulfkotte“ und führt anhand eines UNO-Papiers ein Beispiel auf, „wie einflussreiche ausländer- und islamfeindliche Hetzer wie Ulfkotte mit Lügen Propaganda machen“.

Politisch dürfte der Kopp Verlag bei AfD-Anhängern Zustimmung genießen. Donald Trump und Wladimir Putin erhalten positive Bewertungen, für Angela Merkel gibt es reichlich Medienschelte. Eine typische Überschrift: „Entlarvt: UNO-Flüchtlingskommissar manipuliert deutsche Medien“.

Als ein „medialer Mülltrenner“ versteht sich auch das Internet-Portal KenFM, das von Ken Jebsen betrieben wird, einem ehemaligen Radio- und Fernsehmoderator, den der Sender Rundfunk Berlin- Brandenburg (RBB) 2011 rausgeworfen hat. Jebsen betreibt seither als freier Journalist einen Videokanal und verbreitet dort seine Verschwörungstheorien. So vertritt er die Ansicht, die Anschläge vom 11. September 2011 seien von der US-Regierung inszeniert worden.

Jebsen ist auch Autor der monatlich erscheinenden Zeitschrift „Compact“, einem rechtspopulistischen Magazin mit Hang zu Verschwörungstheorien. Hier ist Jebsen in guter Gesellschaft mit Chefredakteur Jürgen Elsässer, der ebenfalls gerne Verschwörungstheorien verbreitet. Gemeinsam ist ihnen Antiamerikanismus und Sympathien für die Politik Putins und die AfD. Und natürlich zu allen Themen, die von den „Mainstream-Medien“ beharrlich verschwiegen werden – angeblich.


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