69 Personen verletzt Kind sprengt in der Türkei 51 Menschen in die Luft

Von dpa | 21.08.2016, 10:24 Uhr

Der Anschlag von Gaziantep ist nach Angaben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan von einem Kind zwischen 12 und 14 Jahren verübt worden. Es habe sich um ein Selbstmordattentat gehandelt, sagt Erdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu vom Sonntag.

Die Zahl der Todesopfer sei auf 51 gestiegen. 69 Menschen seien verletzt worden, davon 17 schwer, sagte Erdogan weiter. Der Staatspräsident sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu, bei den Tätern handele es sich mutmaßlich um Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Provinz Gaziantep grenzt an das Bürgerkriegsland Syrien. Auf der syrischen Seite kontrolliert der IS ein großes zusammenhängendes Gebiet.

Überreste einer Sprengstoffweste gefunden

Die türkische Regierung hatte den IS in der Vergangenheit für zahlreiche Anschläge im Land verantwortlich gemacht. Die Terrormiliz bekannte sich bislang noch zu keinem der ihr zugeschriebenen Anschläge in der Türkei.Der Sprengsatz explodierte demnach inmitten einer Hochzeitsgesellschaft, die auf offener Straße im Beybahce-Viertel von Gaziantep feierte. Nach Angaben der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP handelte es sich um eine kurdische Hochzeit. Unter den Todesopfern seien mehrere Kinder. In dem Stadtviertel leben nach Medienberichten vor allem Kurden. Kurz nach dem Anschlag verhängte die Rundfunkbehörde eine Nachrichtensperre, die aber nicht für öffentliche Stellungnahmen gilt.

Erdogan verurteilte den „Terroranschlag“ laut einer von Anadolu verbreiteten Stellungnahme und versprach Aufklärung. Die Täter versuchten das Volk gegeneinander aufzubringen, indem sie „ethnische und religiöse Empfindlichkeiten“ für ihre Zwecke nutzten. Damit hätten sie keinen Erfolg. Er machte dabei keinen Unterschied zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen und dem IS, dem „mutmaßlichen Urheber“.

Die HDP teilte in einer Stellungnahme weiter mit: „Wir verurteilen und verdammen diejenigen, die diese Attacke verübt haben, und die Kräfte und Ideologien hinter ihrem Handeln.“

Syrischer Ableger der PKK

Sowohl der IS als auch die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) kontrollieren große Gebiete in Nordsyrien an der Grenze zur Türkei. Die YPG, die ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS ist, war in den letzten Wochen weiter vorgerückt. IS-Kämpfer mussten sich in das syrisch-türkische Grenzgebiet zurückziehen.

Die YPG ist der syrische Ableger der PKK, die in der Südosttürkei operiert. Die Türkei betrachtet sowohl die PKK als auch den IS als Terrororganisation. Ein weiteres Vorrücken der YPG ist der Türkei ein Dorn im Auge. Dadurch könnten Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im eigenen Land befeuert werden, so die Befürchtung Ankaras.

Ministerpräsident Binali Yildirim hatte am Samstag angekündigt, die Türkei werde in den nächsten Monaten eine „aktivere“ Rolle in Syrien spielen. Das Land dürfe nicht entlang ethnischer Linien geteilt werden. Grundsätzlich müsse mit dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad gesprochen werden, da er einer der Akteure sei. Eine dauerhafte Lösung mit ihm an der Spitze Syriens schloss Yildirim jedoch aus, genauso wie Gespräche zwischen der Türkei und Assad.

Steinmeier: „Grauenvoller Angriff“

Die deutsche und die französische Regierung haben den Terroranschlag verurteilt und der Türkei ihr Beileid ausgesprochen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach am Sonntag von einem „grauenvoller Angriff“. Aus einer Hochzeitsfeier, einem Fest der Freude, sei ein Alptraum geworden. „Wir sind in Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und Freunden und trauern mit ihnen“, sagte er laut Mitteilung in Berlin.

Der französische Präsident François Hollande verurteilte den „schändlichen Anschlag“. Frankreich stehe an der Seite aller, die gegen den Terrorismus kämpfen, hieß es in einer Mitteilung des Élyséepalastes.