Internet-Symbolik nach Brüssel Trauer? Die AfD macht lieber Front gegen das Fremde

Von Burkhard Ewert

Manneken Pis und belgische Fahne: Ohne Symbole kommt die Trauer weder im realen noch digitalen Umfeld aus. Die AfD stört sich daran und macht lieber Front gegen das Fremde. Foto: AFPManneken Pis und belgische Fahne: Ohne Symbole kommt die Trauer weder im realen noch digitalen Umfeld aus. Die AfD stört sich daran und macht lieber Front gegen das Fremde. Foto: AFP

Osnabrück. Bunte Bilder statt aufrechten Kampfes: Die AfD stört sich nach den Brüsseler Anschlägen an der Trauersymbolik im Internet. Parteichefin Frauke Petry will lieber Taten sehen. Das sagt viel aus – und nichts Gutes.

Es ist ein kleines Ritual. Nach schrecklichen Anschlägen wie jetzt in Brüssel etabliert sich im Internet binnen Stunden ein Spruch und wetteifern kleine Bilder um den Status eines inoffiziellen Trauermotivs. Eine digitale Anstecknadel, sozusagen, die da bedeuten soll: Ich gehöre dazu, bin betroffen, fühle mit.

Manneken Pis als Favorit

Im Fall der Anschläge auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo waren es die französische Fahne, die über die Profilfotos in sozialen Netzen gelegt wurde, und der Spruch „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“). Bei den November-Anschlägen von Paris war es der von Hand gezeichnete Eiffelturm im Zentrum des Friedenszeichens. Nach den Morden von Brüssel blinkten diesmal in Landesfarben getönte, betende Hände, erneut Profilfotos oder angestrahlte nationale Symbole auf den Bildschirmen, ohne sich am Ende gegen verschiedene Versionen des Brüsseler Manneken Pis durchsetzten zu können.

Nichts Gutes

Man kann diese Form von Trauer konformistisch finden, auch effekthascherisch und ein bisschen beliebig. Vielleicht hat sie ihren Höhepunkt auch bereits überschritten. Aber ohne Symbole kommt Trauer auch jenseites des Netzes nicht aus. Zudem ist es eine ganz andere Frage, ob man seine Meinung darüber jedem auf die Nase binden und wie die AfD-Spitze um Frauke Petry und Marcus Pretzell für eine politische Kampagne nutzen muss. Dann wird aus dem persönlichen Standpunkt ein Statement, und zwar eines, das Menschen herabwürdigt und beleidigt, die Trost und Gemeinschaft suchen. Und wenn sie es hier und da auch mit unbeholfenen Mitteln tun, sagt die Kritik der AfD daran allemal mehr aus über den, der sie äußert, als über den, der gemeint ist. Und zwar nichts Gutes.