Neue NOZ-Serie „Lügenpresse“: Die Mutter aller Verschwörungstheorien

Karikatur: Klaus StuttmannKarikatur: Klaus Stuttmann

Osnabrück. Von der Kriegspropaganda des Ersten Weltkriegs über die Kampfrhetorik der NSDAP bis zu den Pegida-Demonstrationen der vergangenen Jahre: Das Wort „Lügenpresse“ legt eine erstaunliche Langlebigkeit an den Tag. Dahinter steckt eine Verschwörungstheorie, die nicht nur neue Popularität genießt, sondern zugleich den Boden für andere irrwitzige Überzeugungen bereitet.

Es steht, zumindest in den Köpfen einiger, schlimm um Deutschland. Die Regierung – ob nun die in Berlin oder die in Washington – will uns mit Chemtrails kontrollieren, vergiften oder gleich umbringen. Sie will das Land heimlich islamisieren

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„Lügenpresse“

Der Begriff der „Lügenpresse“ ist keineswegs neu. Spätestens zur Zeit der Revolution von 1848 lässt er sich nachweisen: „Die jüdische Lügenpresse“, schrieb ein Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung zur Hinrichtung eines Mitrevolutionärs, „strengte alle Kraft an, die Augen der Welt über den wahren Sachverhalt zu blenden (...).“

Später taucht er immer wieder in politischen Kampfschriften auf. Einen hohen Verbreitungsgrad hatte der Begriff während des Ersten Weltkriegs, als die deutsche Propaganda mit ihm auf Berichte alliierter Medien über deutsche Kriegsverbrechen reagierte. Später wurde der Begriff vor allem von politischen Extremisten verwendet: Kommunisten schmähten mit ihm etwa die bürgerlich-konservative Presse. Die Nationalsozialisten wiederum nutzten ihn von Anfang an für ihre Propaganda, Adolf Hitler sprach bereits 1922 von einer „marxistischen Lügenpresse“, das Bild wurde von der NS-Propaganda bis zum Zusammenbruch des Regimes durchweg ausgiebig gepflegt. Auch in der DDR-Rhetorik fand der Begriff in bezug auf die kapitalistische Presse bis in die 70er-Jahre hinein Anwendung. mno

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