Verdienstunterschiede Männer und Frauen: Beim Lohn in zwei Welten

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Kämpft für Entgeltgleichheit: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), hier bei einer Demo in Berlin zum „Equal Pay Day“ am 20. 3. 2015. Foto: dpaKämpft für Entgeltgleichheit: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), hier bei einer Demo in Berlin zum „Equal Pay Day“ am 20. 3. 2015. Foto: dpa

uwe/dpa/epd Wiesbaden/Osnabrück. Frauen verdienen statistisch gesehen im Schnitt immer noch deutlich weniger als Männer, auch wenn sich die Schere im vergangenen Jahr etwas geschlossen hat.

Arbeitnehmerinnen kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr auf durchschnittlich 16,20 Euro brutto je Stunde, das waren 21 Prozent weniger als Männer (20,59 Euro) verdienten. Im Jahr zuvor hatte der Abstand noch 22 Prozent betragen, wie die Statistiker zum Equal Pay Day am 19. März mitteilte. Qualifikation und Art der Tätigkeit sind bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt.

Einer der Gründe für die Entwicklung könnte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde zum 1. Januar 2015 sein, so die Statistiker. Eine exakte Bewertung sei mit den Daten der vierteljährlichen Verdiensterhebung zwar nicht möglich. Der stärkere Anstieg der Stundenverdienste von Frauen im vergangenen Jahr gehe aber vor allem auf hohe Zuwächse bei den vom Mindestlohn betroffenen ungelernten und angelernten Arbeitnehmerinnen zurück.

Große Unterschiede in Westdeutschland

Besonders weit geht die Schere nach wie vor in Westdeutschland auseinander. Dort lag der Verdienstunterschied unverändert bei 23 Prozent. In den neuen Ländern waren es nur 8 Prozent - die Kluft verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr etwas. Besonders kräftig stiegen nach der Einführung des Mindestlohns die Verdienste der ungelernten (plus 8,9 Prozent) und angelernten Arbeitnehmerinnen (plus 7,2 Prozent) im Osten.

Frauen arbeiten aus familiären Gründen häufig in Teilzeit. Oft sind sie auch in Branchen mit geringerer Bezahlung tätig. Bei vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation verdienten Frauen den Angaben zufolge im Jahr 2010 pro Stunde 7 Prozent weniger als Männer.

Auch in Niedersachsen ist die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen im vergangenen Jahr etwas kleiner geworden. Wie im Bundesdurchschnitt registrierten die Statistiker einen Rückgang um einen Punkt auf 21 Prozent. Der Bruttostundenverdienst der weiblichen Beschäftigten stieg gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent auf durchschnittlich 14,97 Euro, während sich der Stundenverdienst der Männer lediglich um 1,4 Prozent auf 19,01 Euro erhöhte.

Ruf nach Konsequenzen

Die Zuwächse der Frauenverdienste übertrafen die der Männer am deutlichsten bei der niedrigsten und bei der höchsten Leistungsgruppe, so das Landesamt für Statistik Niedersachsen. Bei den Ungelernten stiegen die Bruttostundenverdienste der Frauen um 4,3 und die der Männer um 1,9 Prozent. Bei den Beschäftigten in Leitungspositionen erreichten die Frauen um 3,4 und die Männer um 2,6 Prozent höhere Verdienste.

Politiker und Verbände kritisierten die bestehenden Lohndifferenzen und forderten mehr Engagement der Bundesregierung für gleiche Bezahlung. Der Equal Pay Day am 19. März markiert den Termin, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, damit sie auf das durchschnittliche Vorjahresgehalt der Männer kommen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katja Dörner, sagte, mit 20 Prozent Lohndifferenz sei Deutschland weiterhin europäisches Schlusslicht. Eine gesetzliche Regelung, die tatsächlich für mehr Lohngerechtigkeit sorgt, sei notwendig. „Das von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) angekündigte Gesetz zu Entgeltgleichheit droht ein zahnloser Tiger zu werden, weil es nur für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern gelten soll“, rügte Dörner.

„Es ist höchste Zeit, diese Diskriminierung endgültig zu beenden. Lohngerechtigkeit muss zur Realität werden“, forderte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Um diese Ungerechtigkeit zu beseitigen, warb Stadler für ein ganzes Maßnahmenbündel, wie zum Beispiel ein Entgeltgleichheitsgesetz, die sozialversicherungspflichtige Absicherung sämtlicher Arbeitsverhältnisse und die Abschaffung des Ehegattensplittings.

Arbeitgeber: Die Ursachen angehen

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) rief dazu auf, die tatsächlichen Ursachen für die Entgeltunterschiede anzugehen. Die Zahlen belegten erneut, dass die Lohndifferenzen zwischen den Geschlechtern vor allem in der unterschiedlichen Arbeitszeit, Berufswahl, Branche, Dauer der Betriebszugehörigkeit und Größe des Unternehmens begründet sind. „Werden diese Faktoren berücksichtigt, bleibt eine bereinigte Lücke von sieben Prozent“, betonten die Arbeitgeber.


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