Spielsucht Drogenbeauftragte: Eine halbe Million Deutsche sind spielsüchtig

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler  Foto: dpaDie Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler Foto: dpa

Osnabrück. Vor allem junge Männer, Arbeitslose und Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen werden oft spielsüchtig. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler warnt vor Online-Glücksspielen. Die Bundesländer müssten neue Regeln setzen.

Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland sind nach Angaben der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler vom Glücksspiel abhängig. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte die CSU-Politikerin: „Diese Menschen haben ein pathologisches oder problematisches Glücksspielverhalten.“ Vor allem Spielautomaten in Spielhallen oder Kneipen seien mit dem erhöhten Risiko der Abhängigkeit verbunden. Aber auch Online-Glücksspiele wie Internetcasinos sowie Poker und Sportwetten im Netz würden immer beliebte und könnten süchtig machen. Mortler warnte: „Gerade beim Internetspiel gibt es Auswüchse, die ich hoch problematisch finde.“ Besonders gefährdet seien vor allem junge Männer mit ausländischen Wurzeln, Langzeitarbeitslose und Menschen mit niedrigen Bildungsabschlüssen. Der Trend zeige nach oben: „Gerade die 18 bis 20-Jährigen spielen heute mehr als noch vor wenigen Jahren“, sagte die Drogenbeauftragte.

Mortler fordert mehr Regeln für Glücksspiel

In Berlin beginnt an diesem Dienstag der erste Bundeskongress zum Glücksspielwesen, bei dem Experten an zwei Tagen über Glücksspiel und die gesetzlichen Vorgaben dafür beraten. Das Glücksspiel ist in Deutschland gesetzlich geregelt, wobei die Bundesländer für die Vorgaben zuständig sind. Der Glücksspielstaatsvertrag ist immer mehr in der Kritik, weil etwa die Vergabe von Online-Lizenzen stockt und der Kampf gegen illegales Glücksspiel im Internet nicht vorankommt. Mortler sagte: „Ich appelliere an die Bundesländer, ihrem Auftrag zur Regulierung des Glücksspielmarktes endlich nachzukommen und juristisch wasserdichte Lösungen zu finden.“ Die Richter am Europäischen Gerichtshof hätten bemängelt, dass die bisherigen Regelungen nicht dem EU-Recht entsprächen. Daher müssten die Regeln für die Konzessionsverfahren dringend überarbeitet werden. „Um Spieler wirkungsvoll zu schützen, müssen wir rechtsfreie Räume vermeiden und die bestehenden Regelungslücken schnellstmöglich schließen“, forderte die Drogenbeauftragte.

Drogenkonsum in der EU


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