terre des hommes mahnt Kinderhilfswerk: Generation ohne Zukunft durch Syrien-Krieg

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Syrische Flüchtlingskinder in der Türkei: Viele besuchen keine Schulen, sondern gehen stattdessen arbeiten. Foto. AFPSyrische Flüchtlingskinder in der Türkei: Viele besuchen keine Schulen, sondern gehen stattdessen arbeiten. Foto. AFP

kück/pm/epd Osnabrück. Das Osnabrücker Kinderhilfswerk terre des hommes warnt davor, dass durch den Syrien-Krieg eine ganze Generation ohne Zukunftsperspektive heranwächst. Auch andere Hilfsorganisationen schlagen fünf Jahre nach Kriegsausbruch Alarm.

Im März 2011 hat durch einen Aufstand in der südsyrischen Stadt Daraa gegen die Regierung von Präsident Baschar al-Assad jener Konflikt begonnen, der fünf Jahre später einer der blutigsten Kriege überhaupt ist. Das Kinderhilfswerk terre des hommes aus Osnabrück sieht ein halbes Jahrzehnt nach Ausbruch der Gewalt eine „unfassbare humanitäre Katastrophe“. In einer Mitteilung heißt es: „Der Krieg hat die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen zerstört, rund 13,5 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter etwa sechs Millionen Kinder und Jugendliche.“

Schulen in Schutt und Asche

Laut dem Hilfswerk leiden „besonders Kinder unter dem direkten Schrecken des Krieges und den Folgen der systematischen Vernichtung lebenswichtiger Infrastruktur wie Bäckereien, Trinkwasseranlagen und Krankenhäuser“, wie Jörg Angerstein, Vorstand Kommunikation von terre des hommes, sagte. „Die meisten Schulen liegen in Schutt und Asche, oder es findet aus Sicherheitsgründen kein Unterricht statt“, kritisierte er. Die Einschulungsrate sei auf unter 50 Prozent gefallen.

Den Worten Angersteins zufolge geht jedes zweite syrische Kind nicht zur Schule. „In den Nachbarländern Syriens wachsen Tausende Kinderflüchtlinge ohne Zukunftsperspektiven heran“, warnte er. „Viele leben und arbeiten auf den Straßen, um sich und ihre Familien zu ernähren.“

Aushungern beenden

In der Mitteilung fordert terre des hommes die internationale Gemeinschaft auf, „sich nach fünf Jahren Krieg endlich der Verantwortung für das Wohl der Menschen in Syrien zu stellen“. So müssten etwa das Belagern und Aushungern von Städten sofort beendet und eine Übergangsperspektive für das Land entwickelt werden. Die Geberländer seien zudem in der Pflicht, die zugesagte Finanzierung der humanitären Versorgung sicherzustellen.

„Rekordjahr des Leidens“

Auch andere Hilfsorganisationen weisen darauf hin, dass sich die Situation für die Menschen in Syrien im vergangenen Jahr dramatisch verschlechtert hat. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht „Fuelling the Fire“, den eine internationale Allianz von 30 Organisationen, darunter Oxfam, Care und „Save the Children“, am Freitag veröffentlichte. Die Kriegsparteien richteten schlimmste Verwüstungen an, verhinderten Nothilfe und schnitten ganze Städte von jeglicher Versorgung ab. 2015 sei für Syrien ein „Rekordjahr des Leidens“ gewesen.

Am Montag sollen in Genf die Friedensverhandlungen für Syrien wieder aufgenommen werden. Seit Ende Februar hält in weiten Teilen des Landes eine Waffenruhe zwischen Regierungssoldaten und Milizen. Viele wichtige Punkte zur Zukunft des Landes sind noch ungeklärt – zum Beispiel, welche Rolle Präsident Assad spielen soll.


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