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25.02.2016, 14:13 Uhr FLÜCHTLINGSZUZUG

Wie sich in der Krise der Charakter der EU offenbart

Ein Kommentar von Franziska Kückmann


Bananen und Apfelsinen hat dieses Flüchtlingsmädchen nach seiner Ankunft in Griechenland ergattert. Foto: dpaBananen und Apfelsinen hat dieses Flüchtlingsmädchen nach seiner Ankunft in Griechenland ergattert. Foto: dpa

Osnabrück. Die EU beweist im Angesicht der Flüchtlingsherausforderung, dass all die Beteuerungen von Zusammenhalt und Solidarität nicht mehr als leere Worte waren.

In der Krise beweist sich der Charakter, hat der verstorbene Altkanzler Helmut Schmidt einst gesagt. Europa steckt in der Krise – und beweist im Angesicht der Flüchtlingsherausforderung, dass all die Beteuerungen von Zusammenhalt und Solidarität nicht mehr als leere Worte waren.

Wie tief ist diese angebliche Wertegemeinschaft gesunken, dass sie ungerührt zuschaut, wie sich in Griechenland verzweifelte Frauen mit Kindern auf dem Arm über Autobahnen zu Fuß zur mazedonischen Grenze aufmachen? Dass Menschen wie Tiere zusammengepfercht ausharren hinter neuen Mauern aus Stacheldraht, hochgezogen auf einem Kontinent, der Reisefreiheit als eine seiner Errungenschaften preist?

Kopflose Alleingänge

Europa tut so, als könnte es durch eine möglichst harte, abschreckende Politik den Flüchtlingszuzug bremsen. Was für ein Irrglaube! Und diese fatale Logik nimmt immer dunklere Züge an. Kopflose Alleingänge einzelner Staaten, Verbrüderungen mit angeblich Gleichgesinnten, Frontenbildung innerhalb der Gemeinschaft – das sind anarchische Zustände, die nichts mehr zu tun haben mit dem Gedanken von einem geeinten Europa. Der Kontinent ist zurückgefallen in eine Jeder-gegen-jeden-Mentalität.

Ja, in der Krise beweist sich der Charakter. Der europäische offenbart derzeit wahrlich seine miesesten Züge.


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