Talkshow am Mittwoch Pöbeleien und Schuldzuweisungen bei Maischberger

Bei Sandra Maischberger ging es am Mittwochabend um Merkels Kurs und die AfD. Foto: imago/EibnerBei Sandra Maischberger ging es am Mittwochabend um Merkels Kurs und die AfD. Foto: imago/Eibner

Osnabrück. Ein neuer Trend hat sich in der deutschen Polit-Talk-Landschaft etabliert: Das Thema heißt Merkel, tatsächlich geht es um Flüchtlinge und echte Lösungsansätze hat niemand zu bieten. Tiefpunkt am Mittwoch bei Maischberger: Pöbeleien von einem Bild-Chef aus den 90ern.

Ob er die Situation in Mazedonien begrüße? Als Erster musste sich an diesem Talkabend Peter Ramsauer (CSU) rechtfertigen. Grenzzäune wolle er nicht, Zuwanderung müsse jedoch wieder geordnet laufen, entgegnete der Ex-Verkehrsminister. Ob er die aktuelle Situation also begrüße? „Mir fällt nichts Besseres ein“, sagte Ramsauer. Eigentlich hieß die Leitfrage der Talkshow: „Spaltet Merkel das Land?“

„Kinder weinen immer – an den Grenzen und wenn sie geboren werden“

Hans-Hermann Tiedje, bis Anfang der 90er Jahre Chef bei der Bild, ging jedoch zunächst lieber die Moderatorin an, die unter anderem mit Bildern von weinenden Kindern an mazedonischen Grenzzäunen eingestiegen war. Tiedje: „Sie sprechen schon wieder von weinenden Kindern. Kinder weinen immer – an den Grenzen und wenn sie geboren werden.“ Das sei alles schrecklich, aber letztlich sei Merkel an allem Schuld. Tiedje monologisierte weiter. Maischberger bemerkte kichernd: „Nun reden Sie schon von sich selbst in der dritten Person.“ Tiedje versprach, endlich den CDU-Landesvorsitzenden Armin Laschet sprechen zu lassen und in den nächsten zehn Minuten zu schweigen.

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Sechs Minuten später unterbrach der Journalist die Moderatorin erneut und stellte klar: Merkel habe durch Selfies Flüchtlingen signalisiert, dass diese in Deutschland willkommen seien. Laschet verwies auf die Notwendigkeit einer europäischen Lösung, Ramsauer hielt dagegen: „In dem Rahmen klappt das nicht.“ Was dann? Er warte auf eine Klage gegen Merkel in Karlsruhe, erklärte Ramsauer.

Maischberger gab die Frage an Tiedje weiter: Wie kann ein Koalitionspartner die eigene Kanzlerin verklagen? Tiedje empfahl kurzerhand den Koalitionsbruch und einen bundesweiten Antritt der CSU. Schauspieler Jan Josef Liefers kommentierte knapp, wer da wen verklage, sei den meisten Menschen relativ egal. Wichtiger sei es, über Fluchtursachen wie den syrischen Bürgerkrieg zu sprechen.

Gemobbter türkischer Präsident

Da wurde es schon wieder Zeit für einen Tiedje-Monolog in Form eines Rundumschlags gegen die Regierungspolitik. Laschets mehrfache Bitte um ein Alternativszenario ignorierte der Journalist. Auch Maischberger drang nicht mehr durch. Tiedje zog sich zurück auf die Feststellung, der türkische Präsident Erdogan sei gemobbt worden. Wer dem Mann nun jegliche Diskussionskompetenz absprechen wollte, wurde durch Ramsauer eines Besseren belehrt: Alle Vorhersagen Tiedjes seien in den vergangenen Monaten eingetroffen. Ob Ramsauer eine Alternatividee hat? Man müsse grüne Grenzen absichern, damit man vernünftig registrieren und schneller abschieben könne, erklärte der CSU-Politiker.

Und dann auch noch Pegida

Und damit Gast René Jahn nicht umsonst gekommen war, ging es endlich auch um Pegida in diesem Talk-Mix aus Merkel-Bashing, Flüchtlingspolitik und verbalen Entgleisungen. Jahn, Mitbegründer von Pegida, schilderte zunächst, dass er wegen der rechten Äußerungen von Redner Lutz Bachmann aus der Bewegung ausgetreten sei. Trotzdem laufe er heute wieder bei den Montagsdemonstrationen mit – um mit den Menschen zu sprechen. Außerdem gebe es keine andere Möglichkeit, seinen Protest in einer großen Gruppe auf der Straße zu äußern.

Woher kommt die Aggression der Menschen? Auch Jan-Josef Liefers konnte das nicht wirklich erklären. Jahn vermutete, die Bevölkerung fühle sich übergangen. Außerdem seien die Medien am Zulauf Schuld. Hans-Hermann Tiedje weiß es genau: Einen gewissen Bodensatz gebe es überall. Darüber müsse man keine Sendung machen. Das Phänomen werde sich aber nicht vergrößern. Laschet stellte fest, in Dresden gebe es kaum Muslime, in Nordrhein-Westfalen dagegen schon. Dort etabliere sich Pegida aber nicht. Jahn warb dafür, „mit den Leuten zu reden“. Tiedje warb dafür, in Sachen Flüchtlingspolitik über eine bisher nie gestellte Frage nachzudenken: „Was hätte Kohl getan?“

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