Debatte über Putins Strategie Talk bei Anne Will: Was bezweckt Russland in Syrien?

Von Christian Lang

Die Rolle Russlands im syrischen Bürgerkrieg war das Thema der Talkrunde von Anne Will. Foto: dpaDie Rolle Russlands im syrischen Bürgerkrieg war das Thema der Talkrunde von Anne Will. Foto: dpa

Osnabrück. Dämon oder Friedensbringer: Wie ist das Vorgehen Russlands im syrischen Bürgerkrieg zu bewerten? Um diese Frage ging es am Sonntagabend in der Talkshow von Anne Will.

Zu Gast in der Talkrunde von Anne Will waren am Sonntagabend Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, Gabriele Krone-Schmalz, die früher als Russland-Korrespondentin bei der ARD gearbeitet hat, Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr, Kriegsreporter Kurt Pelda und Marwan Khoury, Gründer des Vereins Syrienhilfe Barada.

Gegen Schwarz-Weiß-Denken

Seit September vergangenen Jahres fliegt Russland Bombenangriffe auf Syrien, doch wie ist das Verhalten des Landes und die Unterstützung Assads zu bewerten? Laut Harald Kujat hat Russland den Friedensprozess in Syrien erst ermöglicht. Man müsse zwar die Strategie Putins nicht mögen, dennoch sei es in dem Fall nicht angemessen, in Schwarz-Weiß-Kategorien zu denken. Bevor man das Vorgehen der Russen verurteile, müsse man sehen, welche Strategie das Land in Syrien verfolge.

Lösung nur mit Russland möglich

Es gehe Putin vor allem darum, zu verhindern, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) weiterhin aus der Türkei versorgt werde. Zugleich warf Kujat dem Westen Versagen in der Syrien-Krise vor. Die USA und die EU hätten sich viel eher mit Russland zusammensetzen sollen, um an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten. Russland gehe es vor allem um seine strategischen Interessen und nicht um die Unterstützung Assads. „Assad darf nicht an der Macht bleiben. Das hat auch Putin gesagt“, so der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr. Für Kujat ist klar, dass eine Lösung in der Syrien-Krise nur möglich ist, wenn auch Russland mit einbezogen wird. „Ohne Russland wird es keinen Frieden geben“, lautet seine Prognose.

Gegen Verteufelung Russlands

Auch Gabriele Krone-Schmalz sprach sich in der Sendung gegen eine Verteufelung Russlands aus. „Es ist immer leicht, von außen zu moralisieren. Komplexe Sachverhalte zu analysieren, ist dagegen schwierig“, so die frühere ARD-Russland-Korrespondentin. Sie bemängelt, dass Russland viel zu schnell zu einem Feindbild erklärt worden sei. Stattdessen müsse man die Prinzipien der Realpolitik begreifen. Ähnlich wie Kujat denkt nämlich auch sie, dass Assad nur ein Mittel zum Zweck für Putin ist. Um zu einer Lösung im Konflikt zu gelangen, müssten alle Beteiligten mit einbezogen werden – inklusive Putin. „Eine friedliche Welt wird man nur mit Russland hinbekommen“, so Krone-Schmalz.

Russland füllt Vakuum im Nahen Osten

Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, gab dagegen während der Debatte unumwunden zu, dass er Russland nicht möge – zumindest dessen derzeitige Politik. Die momentane Lage in Syrien sei aber auch dem mangelnden Engagement der USA und der EU geschuldet, so Schulz. Die fehlende Strategie des Westens habe im Nahen Osten ein Vakuum erzeugt, das nun von Russland ausgefüllt worden sei – zum Leidwesen der syrischen Bevölkerung. Nicht nur die Russen, alle am Bürgerkrieg in Syrien beteiligten Parteien begehen laut Schulz Menschenrechtsverletzungen. Auch er plädiert für Kommunikation als Ausweg aus der Krise. „Ohne Vorbedingungen zu äußern müssen sich alle an einen Tisch setzen“, so sein Vorschlag.

Was hat die Einigung von München gebracht?

Der in Damaskus geborene Marwan Khoury, Gründer des Vereins Syrienhilfe Barada, sieht das Vorgehen Russlands deutlich kritischer. „Die Russen wollen uns nicht befreien, sondern erreichen, dass Assad an der Macht bleibt“, sagte er. Die Einigung von München habe zudem keine Veränderung gebracht: Hilfslieferungen kämen weiterhin nicht an, auch die Bombardierungen aus der Luft seien nicht weniger geworden. Für Khoury steht fest: Einen Frieden wird es mit Assad nicht geben, er solle auch nicht an den Verhandlungen über eine mögliche Übereinkunft teilnehmen: „Die Syrer werden nicht akzeptieren, weiterhin unter Assad zu leben. Mit einem Massenmörder schließt man keinen Frieden!“

Kritik am Westen

Auch Kriegsreporter Kurt Pelda verurteilt das Vorgehen Russlands. „Die Bomben bringen nichts Gutes. Sie haben nur zu weiterem Leid in dem Land geführt.“ Zudem bekämpfe Russland gar nicht den IS: „Russland und Assad brauchen den IS, um ihr brutales Handeln zu legitimieren“, so seine Schlussfolgerung. Und der Westen? Der gucke bloß zu und mache nichts.


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