Schlachtfeld Syrien Talk bei Maybrit Illner: Frage nach Frieden in Syrien ohne Antwort

Von Marion Trimborn

Maybrit Illner. Foto: imago/Metodi PopowMaybrit Illner. Foto: imago/Metodi Popow

Osnabrück. Maybrit Illner suchte nach Ideen, wie der seit fünf Jahren andauernde Syrien-Konflikt gelöst werden kann. Keine leichte Aufgabe. Eine Lösung hatte niemand parat.

Wie ist Frieden für Syrien zu schaffen? „Schlachtfeld Syrien – wer stoppt Krieg und Flucht?“ lautete der Titel der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“. Zu Gast waren Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, der kommandierende General des US-Heeres in Europa, Ben Hodges, der Autor und Publizist Andreas Zumach, der Präsident der US-Denkfabrik „Atlantic Council“ Fred Kempe und der ehemalige Salafist Dominic Musa Schmitz. Eine Antwort auf die Frage, wie Syrien nach fünf Jahren wieder zum Frieden zurückführen kann, blieb in der Talkrunde allerdings aus.

Ehemaliger Salafist berichtete

Den Auftakt machte der Salafisten-Aussteiger Schmitz, der beeindruckend erzählte, wie er als junger, unglücklicher Mann über einen marokkanischen Bekannten zu den Salafisten gekommen war. „Der Salafismus hat mir viel gegeben, wonach ich mich damals gesehnt habe: Halt, neue Brüder, eine riesengroße Familie, eine Struktur im Alltag.“ Als 17-Jähriger sei er auf der Suche gewesen, die strenge Form des Glaubens habe ihn angezogen. Den Ausstieg habe er später geschafft: „Ich fing irgendwann an, nicht mehr alles zu akzeptieren.“ Zum Beispiel habe er es als ungerecht empfunden, dass die Scharia keine Meinungsfreiheit zulasse.

Lösung ist nur mit Russland gemeinsam zu schaffen

In der anschließenden politischen Debatte waren alle in der Tischrunde der Meinung, dass aus dem Bürgerkrieg in Syrien längst ein Stellvertreterkrieg großer Mächte geworden ist, mit der Türkei, Russland, Iran und Saudi-Arabien als Akteuren. Der kommandierende General des US-Heeres in Europa, Ben Hodges, mahnte: „Es gibt keine schnelle Lösung.“ Die Lage sei sehr kompliziert.

Waffenstillstand wichtig

In der Runde ging es vor allem um die Rolle Russlands, das mit Bombardements gemeinsam mit dem Regime des syrischen Machthabers Baschar al Assad gegen die Terrormiliz IS vorgeht. „Wir brauchen Russland, als Teil der Lösung“, sagte der US-Experte Kempe, der aber auch kritisierte: „Die russischen Operationen haben die Flüchtlingslage verschlimmert.“ Von allen Seiten gab es Zustimmung, dass in Syrien schnell ein Waffenstillstand gefunden werden müsse. Derzeit laufen in München dazu Gespräche. Auch der Linken-Politiker Bartsch betonte: „Das geht nur mit Russland.“ In der Runde war allerdings kein russischer Vertreter dabei, der die Position Moskaus hätte erklären können.

USA-Vakuum

Zur Sprache kam auch die Frage, warum die USA nicht früher und stärker in Syrien eingegriffen haben. Die Vereinigten Staaten sind derzeit mitten im Wahlkampf, Präsident Barack Obama steht vor dem Ende seiner Amtszeit. Kempe sagte: „Obama möchte in die Geschichte eingehen als Friedenspräsident.“ Mit der Zurückhaltung der Amerikaner und dem Abzug aus Afghanistan sei ein Vakuum entstanden: „Andere haben es gefüllt, der IS und die Russen.“ Jetzt stehe die Welt an einem Wendepunkt der Geschichte wie 1945 oder 1989, warnte Kempe. Er warf dem Westen Uneinigkeit und Versagen vor: „Putin ist nicht stark, weil er stark ist, sondern weil wir schwach sind und unentschlossen sind.“

Kurden miteinbeziehen

Der Autor und Experte Zumach forderte, dass bei den Friedensgesprächen zu Syrien in Genf mehr Parteien am Tisch sitzen müssten: „Auch die Kurden müssen vertreten sein, auch gemäßigte Gruppen.“ Die syrische Delegation dürfe nicht von radikalen Salafisten oder der Al-Nusra-Front bestimmt werden. Nur dann gebe es eine Chance, „dass die Russen einem Waffenstillstand zustimmen“. Die abgebrochenen Friedensgespräche sollen am 25. Februar fortgesetzt werden. Alle Teilnehmer vertraten die Meinung, dass der Konflikt militärisch nicht zu lösen sei.

Von der Leyen: Es gibt Fortschritte in Syrien

Zu den laufenden Gesprächen auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Ministerin von der Leyen: „Es muss ein humanitärer Zugang für die Menschen geschaffen werden, das ist das Mindeste, was in München herauskommen muss.“ Die Ministerin betonte, der IS habe seit Längerem keine Gebietsgewinne mehr gemacht und die Stadt Tikrit sei wiedergewonnen worden: „Das sind Erfolge, die wir nicht unter den Tisch kehren sollten.

Rolle Saudi-Arabiens und der Türkei

Emotional wurde es gegen Ende der Debatte, als es um die Rolle Saudi-Arabiens und der Türkei ging. Von der Leyen warnte: „Wenn wir bei all denen, die in München am Tisch sitzen, sagen, wen wir nicht dabei haben wollen, sitzen wir sehr schnell alleine da.“ Zumach und von der Leyen fielen sich mehrfach ins Wort, auch die Moderatorin hatte Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Auf die Frage, ob der Westen die Kurden fallen lassen werde, weil der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan für die Europäer das Flüchtlingsproblem lösen solle, antwortete von der Leyen mit deutlichen Worten: „Nein. Ganz klare Ansage.“ Man müsse sich nicht entscheiden zwischen Türken und Kurden. US-General Hodges unterstrich, dass die Türken schon seit Jahren Bündnispartner seien: „Wir müssen mit den Kurden arbeiten und mit der Türkei.“ Damit widersprach er dem Linken Bartsch, der sagte: „Es ist Erdogan, der die Kurden bombardiert und die Pressefreiheit missachtet, der kann nicht unser Partner sein.“

Letztlich blieb der Zuschauer am Ende etwa ratlos. Die Schlussfolgerung aus der Talkrunde war: Der Syrien-Konflikt ist sehr kompliziert und wie dieser Konflikt zu lösen ist, konnten auch die Teilnehmer der Maybrit-Illner-Talkshow nicht beantworten.