Red Hand Day 2016 Kindersoldaten: terre des hommes beklagt Straflosigkeit

Von Christian Lang

Laut Hochrechnungen gibt es weltweit rund 250000 Kindersoldaten. Werden Jungen und Mädchen unter 15 Jahren militärische Zwecke eingezogen, handelt es sich um ein Kriegsverbrechen. Foto: dpaLaut Hochrechnungen gibt es weltweit rund 250000 Kindersoldaten. Werden Jungen und Mädchen unter 15 Jahren militärische Zwecke eingezogen, handelt es sich um ein Kriegsverbrechen. Foto: dpa

Osnabrück. Das Kinderhilfswerk terre des hommes sieht im Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten einigen Nachholbedarf.

„Die UN macht teilweise zu wenig. Sie muss in dem Bereich konsequenter sein und die Verbrechen stärker ahnden, nicht nur in Afrika, sondern auch in Asien und im Nahen Osten“, fordert Ralf Willinger, Kinderrechtsexperte bei terre des hommes, im Gespräch mit unserer Redaktion

Durch die militärischen Konflikte in Syrien, Afghanistan und Jemen sei derzeit wieder ein Anstieg bei der Rekrutierung Minderjähriger zu beobachten. „Es ist nach wie vor ein massives Problem“, sagt Willinger.

Kein neuartiges Phänomen

Laut Schätzungen werden derzeit weltweit mindestens 250000 Jungen und Mädchen als Kindersoldaten eingesetzt – und das in mehr als 20 Ländern. Die Gründe für die Rekrutierung: Kinder seien günstiger, leichter zu überzeugen und gehorsamer als Erwachsene, so der Kinderrechtsexperte. Um ein neuartiges Phänomen handelt es sich beim militärischen Einsatz Minderjähriger nicht: „Überall, wo bewaffnete Konflikte entstehen und länger gekämpft wird, werden Kinder als Soldaten eingesetzt“, sagt Willinger.

UN legt Mindestalter fest

Die Vereinten Nationen haben darauf reagiert und in der UN-Kinderrechtskonvention von 1989 ein Mindestalter von 15 Jahren bei der Rekrutierung von Soldaten festgelegt, mit dem Zusatzprotokoll von 2002 wurde diese Grenze nach oben korrigiert. Seitdem dürfen Kinder unter 18 Jahren nicht mehr zwangsweise eingezogen werden, das Einziehen von Jungen und Mädchen unter 15 Jahren für militärische Zwecke wird sogar als Kriegsverbrechen bewertet. Freiwillige können dagegen ab 16 Jahren angeworben werden.

Straflosigkeit ein großes Problem

Bei der Umsetzung dieser Richtlinien hapert es aber laut Willinger. „Bei der Strafverfolgung gibt es noch viele Missstände. Die Straflosigkeit ist ein Riesenproblem“, sagt er. Die Schuld dafür sieht der Kinderrechtsexperte sowohl bei der UN als auch bei den einzelnen Staaten, in denen Minderjährige bei Konflikten rekrutiert werden. Obwohl der Einsatz von Kindersoldaten in den meisten Ländern auch durch die nationalen Gesetze verboten sei, würden die Staaten dieses Verbrechen nur selten ahnden. In diesem Zusammenhang sieht Willinger die UN gefordert. „Bisher wurden nur wenige Fälle bestraft. Dabei lässt sich der Einsatz von Kindersoldaten eigentlich recht leicht nachweisen. Die UN und nationale Regierungen müssen viel mehr machen als bislang.“

Bisher nur Verantwortliche aus Afrika bestraft

Vor allem außerhalb Afrikas müssten die Vereinten Nationen besser hingucken. Die Verbrechen, die in den vergangenen Jahren bestraft wurden, hätten sich rein auf Afrika beschränkt. Angesichts des massiven Einsatzes von Kindersoldaten in Jemen, Burma und Syrien sei es aber nötig, auch mal Verantwortliche außerhalb Afrikas zu verurteilen, so Willinger.

Organisation nimmt Deutschland stärker in Pflicht

Im Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten nimmt terre des hommes auch Deutschland stärker in die Pflicht. Die Bundesrepublik trage zwar keine Mitschuld am Anstieg von Kindersoldaten, aber als einer der größten Waffenexporteure der Welt müsse sich das Land seiner großen Verantwortung in dem Bereich bewusst sein. „Keine Waffenexporte mehr in Krisengebiete“, fordert Willinger daher. Zudem findet es der Kinderrechtsexperte inkonsequent von Deutschland, sich einerseits international gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten einzusetzen, im eigenen Land dafür aber jedes Jahr mehrere Tausend 17-Jährige für die Bundeswehr anzuwerben. „Das Alter muss auf 18 Jahre heraufgesetzt werden – dazu hat auch der UN-Kinderrechteausschuss Deutschland aufgefordert“, sagt er.

Aktionstag am 12. Februar

Seit 2002 findet jeweils am 12. Februar der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten statt. Mit Protesten und Demonstrationen soll dabei auf den Missbrauch von Kindern als Soldaten aufmerksam gemacht werden. Das Symbol dieses Tages ist eine rote Hand, daher wird der Gedenktag auch als „Red Hand Day“ bezeichnet. Weltweit haben bislang mehr als 400000 Menschen mit ihrem Handabdruck gegen die Rekrutierung von Kindersoldaten protestiert.


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