Eklat um Remarque-Preis Bürgermeisterin von Lampedusa lehnt Remarque-Sonderpreis ab

Von Wolf H. Wagner

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Die italienische Bürgermeisterin Giusi Nicolini lehnt den Remarque-Sonderpreis ab.

            
Foto: Imago stock & peopleDie italienische Bürgermeisterin Giusi Nicolini lehnt den Remarque-Sonderpreis ab. Foto: Imago stock & people

Florenz Die Bürgermeisterin von Lampedusa und Linos, Giusi Nicolini, lehnt den Remarque-Sonderpreis ab. Sie protestiert damit gegen die Verleihung des Friedenspreises der Stadt Osnabrück an Adonis. Der syrisch-libanesische Preisträger habe sich nicht von Diktator Assad distanziert.

Sie ist ein Leben lang mit Lampedusa verbunden: Giuseppina Maria Nicolini, von allen nur Giusi genannt, war bereits als 22-Jährige im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben der italienischen Inseln vor der Nordküste Afrikas aktiv. 2012 wurde sie zur Bürgermeisterin von Lampedusa und Linosa gewählt. Eine schwierige Amtsperiode begann, die dominiert ist von Tausenden Flüchtlingen, die von den Küsten Tunesiens und Libyens aus den gefährlichen Weg über das Meer wählen. Diese Situation ist nun der Auslöser eines handfesten Eklats.

Nicolini: Europa nimmt Tote in Kauf

Schon bei ihrem Amtsantritt beklagte die agile Bürgermeisterin, dass Europa die Inseln mit dem Flüchtlingsproblem allein lasse. „Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass die europäische Einwanderungspolitik den Tod dieser Menschen in Kauf nimmt, um die Migrationsflüsse einzudämmen. Vielleicht betrachtet sie sie sogar als Abschreckung. Aber wenn für diese Menschen die Reise auf den Kähnen der letzte Funken Hoffnung ist, dann meine ich, dass ihr Tod für Europa eine Schande ist.“

Harsche Kritik an syrisch-libanesischem Dichter Adonis

So mag es nicht verwundern, dass Nicolini harsch kritisiert, dass der syrisch-libanesische Dichter und Essayist Ali Ahmed Said Esber alias Adonis von der Stadt Osnabrück den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis erhält.

Nicolini findet die Aussagen von Adonis „völlig inakzeptabel“. Der arabische Autor hatte gesagt, Assad sei ein vom Volk gewählter Präsident und syrische Flüchtlinge seien nur Wirtschaftsmigranten. Die Bürgermeisterin sagt: „Wenn wir hier das Elend der Flüchtlinge sehen, die sich mit letzter Kraft auf die Insel retten oder von den Schiffen aufgegriffen werden, kann man eine solche Meinung nicht teilen.“

Bürgermeisterin lehnt Preis ab

Deswegen könne sie den ihr zugedachten Remarque-Sonderpreis aus Osnabrück auch nicht annehmen, so ehrenvoll er auch gemeint sei. „Ich danke dem Komitee von ganzem Herzen für die Auswahl, einen ehrenwerten Preis an mich zu vergeben“, meinte die Bürgermeisterin. „Aber nähme ich ihn an, so würde ich mich hinter Adonis stellen. Dann, würde ich nicht nur meine Ideen, sondern auch die vielen Syrer, Männer, Frauen und Kinder, die Schutz auf Lampedusa gefunden haben, verraten“.

Die Fakten, so Nicolini, sprächen für sich: Hunderttausende Tote und Millionen Flüchtlinge, die aus einer grausamen Diktatur fliehen, könne man nicht mit solchen Sätzen abtun, wie Adonis von sich gegeben habe. Es helfe auch nicht, wenn er heute unter dem Druck internationaler Kritik versuche, seine Aussagen zu relativieren. Aus Respekt vor den Opfern müsse sie daher den Preis ablehnen.

Andere Preise hat Nicolini akzeptiert

Dabei ist es keineswegs so, dass Nicolini jegliche Anerkennung zurückweist. Im Dezember nahm sie den von der Stuttgarter Bürgerinitiative „Die AnStifter“ verliehenen Friedenspreis entgegen. Der Geschäftsführer der „AnStifter“, Fritz Mielert nannte Nicolini eine Frau, die sich für diejenigen einsetzt, die der Hölle in Syrien und Libyen entkommen sind, aber von der EU grausamst im Stich gelassen werden.“Die Initiative wollte mit der Preisverleihung in Zeiten, in denen die Friedensnobelpreisträgerin Europäische Union den Tod Tausender Flüchtlinge billigend in Kauf nehme, ein „klares Zeichen für Humanität“ setzen.

Ähnlich begründet auch die Simone-de Beauvoir-Stiftung ihre Preisverleihung 2016 an die Bürgermeisterin der kleinen Mittelmeerinseln. „Giusi Nicolini war die erste Stimme, die mit Kraft für die Rechte der armen und allein gelassenen Flüchtlinge einsetzte“, lobt die Stiftung.


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