„Wie deutsch müssen Migranten werden?“ Vergiftetes Klima statt Integration bei Maybrit Illner

Moderatorin Maybrit Illner. Foto: imago/Metodi PopowModeratorin Maybrit Illner. Foto: imago/Metodi Popow

Osnabrück. Maybrit Illner begann eine Debatte über die Integration von Flüchtlingen – daraus wurde phasenweise ein Verhör des AfD-Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen, der sichtlich in Bedrängnis geriet.

Wie deutsch müssen Flüchtlinge werden, die ins Land kommen? „Antanzen zur Integration“ lautete der Titel der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“. Zu Gast waren der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl, die Grünen-Politikerin Claudia Roth, der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen, die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der Braunschweiger Kripo-Chef Ulf Küch.

Strobl forderte, bei der Integration die „klare Ansage zu machen, was wir als aufnehmende Gesellschaft erwarten“, und das sei vor allem die Achtung der Gesetze. Woraufhin der Polizist Küch auf eine Lücke zwischen der Durchsetzung von Gesetzen und der Möglichkeit, Straftäter abzuschieben, hinwies. „Man kann nicht durch die Polizei Politik machen. Was wir machen, ist lediglich Lagebereinigung.“

Kritik an Falschinformationen von rechts

Dann wandte sich Küch zu Jörg Meuthen mit einem Vorgeschmack dessen, was der AfD-Politiker an diesem Abend noch erleben sollte: Viele Falschinformationen über angebliche Straftaten von Flüchtlingen kämen aus dem Lager der AfD, warf Küch im vor. Dadurch bekomme die Bevölkerung „den Eindruck, dass um sie herum das Tohuwabohu herrscht. Das ist nicht der Fall.“, so Küch.

Meuthen, der bisher für eine deutlich geringere Zahl von Aufnahmen eingetreten war und vor den Gefahren einer nicht registrierten „wilden Zuwanderung“ gesprochen hatte, erwiderte auf die Frage von Moderatorin Illner nach einem Aufkommen selbst ernannter Bürgerwehren, er finde es traurig, wenn Menschen es für notwendig hielten, sich zu bewaffnen. An den Polizisten Küch gewandt, sagte der Politiker: „Die Silvesternacht von Köln ist keine Erfindung der AfD, sondern eine Sache, die da war.“

Persönliche verbale Angriffe gegen Roth

An diesem Punkt begann die Diskussion, sich gegen Meuthen zu wenden. Die ehemalige Grünen-Vorsitzende Roth griff Küchs Kritik am AfD-Umfeld auf und berichtete von persönlichen verbalen, sexuell aufgeladenen Angriffen von Männern gegen sie selbst. Der AfD-Politiker Markus Frohnmaier habe öffentlich zu verstehen gegeben, es sei schade, dass sie nicht mitvergewaltigt worden sei. Roth nannte weitere persönlich gegen sie gerichtete Äußerungen männlicher AfD-Politiker.

Meuthen erwiderte: „Die Äußerungen von Herrn Frohnmaier waren nicht OK“, um dann nachzulegen, vielleicht sei deren Intensität auch der Jugend des Mannes geschuldet. Im Übrigen gebe es derartige Wortmeldungen auch aus anderen Parteien.

„Ich fordere Sie auf, das zu belegen“

Dagegen verwahrte sich der CDU-Politiker Strobl vehement: „Ich fordere Sie auf, das zu belegen. Ihr Problem ist, Sie setzen Dinge in die Welt, die Sie nicht belegen können. Sie vergiften das Klima.“ Strobl sagte, Entgleisungen wie die von Frohnmaier erlebe man in der CDU und anderen Parteien nicht. Immer wieder beharrte Strobl auf seiner Forderung nach Belegen für angebliche menschenverachtende Aussagen von CDU-Mitgliedern. Meuthen blieb sie im schuldig.

Der AfD-Politiker versuchte einen Konter, indem er in Abrede stellte, dass Frohnmaier die umstrittene Äußerung gemacht habe und indem er auf verbale Angriffe gegen seine Partei verwies. Bezeichnungen wie „brauner Bodensatz“ hätten indirekt dazu geführt, dass auf einen Plakatierer seiner Partei geschossen worden sei. Für diesen Vergleich erntete er Kopfschütteln der anderen Diskussionsteilnehmer.

Illner lässt Diskussion abdriften

Diese ließen nun von Meuthen mehrere Minuten lang nicht ab, und Moderatorin Illner machte auch keinen Versuch, die Debatte zur ursprünglichen Frage nach der Integration von Flüchtlingen zurückzuführen. Roth stellte Meuthen wegen eines tätlichen Angriffs eines AfD-Mitglieds gegen einen Journalisten zur Rede. Der Mann sei sofort aus der Partei ausgeschlossen worden, sagte der Bundesvorsitzende, um sogleich wieder allgemein auf die „vergiftete Stimmung“ im Lande abzustellen, für die nicht die AfD verantwortlich sei.

Irgendwann schien sich Illner dann doch noch der ursprünglichen Themenstellung zu besinnen, und die Diskussion kam wieder in ruhigeres Fahrwasser. Allerdings nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem Meuthen dafür eintrat, vorrangig christliche Flüchtlinge nach Deutschland einzulassen, denn die seien der heimischen Kultur näher, und Menschen aus dem islamischen Kulturkreis pflegten einen anderen Umgang mit dem weiblichen Geschlecht.

Kaddor: Muslime nicht mit Tätern von Köln gleichsetzen

Die Islamwissenschaftlerin Kaddor hielt dagegen, natürlich gebe es muslimische Migranten, die sich völlig inakzeptabel verhielten. Aber das könne nicht rechtfertigen, Muslime unter einen Generalverdacht zu stellen. „Arabische Gesellschaften würden solch ein Verhalten genauso wenig tolerieren.“, sagte sie. Das Traurige sei, dass die muslimische Bevölkerung in Deutschland mit Kriminellen wie den Tätern von Köln gleichgesetzt werde, während die große Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime gut integriert sei, aber nicht wahrgenommen werde.


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