Zu viele Nährstoffe in Gewässern Wasserqualität in Tausenden Seen und Flüssen zu schlecht

Von Dirk Fisser

In Sachen Wasserqualität der Ems - hier ein Abschnitt im nördlichen Emsland - herrscht Nachholbedarf. Im Fluss sind 48 Prozent zu viele Nährstoffe. Foto: dpaIn Sachen Wasserqualität der Ems - hier ein Abschnitt im nördlichen Emsland - herrscht Nachholbedarf. Im Fluss sind 48 Prozent zu viele Nährstoffe. Foto: dpa

 Berlin. Die Gewässer in Deutschland verstoßen wegen überhöhter Nährstoffwerte zu großen Teilen gegen Qualitätsrichtlinien der Europäischen Union. Neben Seen und Flüssen ist auch das Grundwasser betroffen.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach erfüllten bis Ende 2015 von 9900 Oberflächenwasserkörpern wie Seen und Flüssen 82 Prozent die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht. Bei 1000 Grundwasserkörpern waren es laut Bundesumweltministerium 36 Prozent. (Weiterlesen: Hohe Nitratwerte in Niedersachsens Grundwasser)

Fristverlängerung beantragt

Die zuständigen Behörden in Deutschland haben bei der EU Fristverlängerungen für die betroffenen Gewässer beantragt, um die eigentlich bis Ende 2015 einzuhaltenden Vorgaben doch noch zu erreichen und eine gute Wasserqualität herzustellen. In einigen Fällen seien aber auch weniger strenge Umweltziele festgelegt worden. Gelingt die Einhaltung nicht, drohen Strafen aus Brüssel.

 

Als Haupteintragsquelle der Nährstoffe gilt die Landwirtschaft. Die Betroffenheit der Flüsse fällt dabei laut Ministerium unterschiedlich aus: Während der Rhein keinen Minderungsbedarf bei Stickstoffeinträgen aufweise, seien diese Im Fall der Ems um 48 Prozent zu hoch.

 

Ministerium: Düngeverordnung reicht nicht

Die Bundesregierung räumt in der Antwort ein, dass die geplante Novellierung der Düngeverordnung allein nicht ausreichen werde, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Weitere Maßnahmen wie die Ausweisung von Wasserschutzgebieten könnten notwendig werden. Schutzgebiete seien „das wesentliche Instrument zur Bekämpfung von Gewässerverunreinigungen“, so das Bundesumweltministerium. Freiwillige Maßnahmen der Länder wie etwa die Beratung von Landwirten in Sachen Düngung seien nicht ausreichend. (Weiterlesen: Düngeverordnung ändert sich)

Grüne fordern nationale Stickstoffstrategie

 

Peter Meiwald, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, fordert angesichts der Gewässerbelastungen eine nationale Stickstoffstrategie. Er bemängelte, dass „die offensichtliche Hauptursache, agroindustrielle Überdüngung,“ erst jetzt durch die Novellierung der Düngeverordnung angegangen werde. Zudem forderte Meiwald als Gegenmaßnahme, „den Viehbesatz wieder an die Fläche zu koppeln“. In einigen Regionen Deutschlands werden deutlich mehr Tiere gehalten, als Fläche zur Ausbringung der Exkremente vorhanden ist.

Zu hohe Nährstoffwerte könnten zudem die Preise für Trinkwasser in die Höhe treiben, wenn dieses erst gereinigt werden müsse, warnte er. „Gutes Trinkwasser zu vernünftigen Preisen ist ein Grundrecht“, so Meiwald. (Weiterlesen: Wie viel Nitrat ist im Wasser in Osnabrück und im Landkreis?)

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