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17.01.2016, 18:31 Uhr

Der Fall der Iran-Sanktionen ist nur ein Anfang

Kommentar von Christian Schaudwet

Gelöste Stimmung in Teheran: Irans Präsident Hassan Ruhani im Parlament. Foto: AFPGelöste Stimmung in Teheran: Irans Präsident Hassan Ruhani im Parlament. Foto: AFP

Osnabrück. Mehr als zehn Jahre wurde verhandelt, und am Ende ging alles ganz schnell: Die internationale Atomenergiebehörde IAEA hat das Atomabkommen mit dem Iran in Kraft gesetzt, der Westen verkündete die Aufhebung seiner Sanktionen. Doch zum Jubeln ist es zu früh.

Es ist ein großartiger Erfolg der Diplomatie und der Vernunft in unruhigen Zeiten: Der Iran hat sein Nuklearprogramm entschärft, und der Westen hebt die lähmenden Wirtschaftssanktionen gegen ihn auf. Wie wertvoll wäre ein berechenbarer, gemäßigter Iran als Verbündeter im Kampf gegen die Fanatiker des Terrornetzwerks IS.

Doch so weit ist es noch lange nicht: Das erdöl- und erdgasreiche Land kehrt zum ungünstigsten Zeitpunkt zurück auf den internationalen Rohstoffmarkt: Der Ölpreis ist kollabiert. Die Märkte schwimmen in Öl, und das Kartell Opec denkt nicht daran, seine Produktion zu drosseln.

Der Iran braucht die Petrodollars dringend zur Modernisierung seiner veralteten Infrastruktur und zur Belebung seiner darbenden Wirtschaft. Doch das Geld wird nun spärlicher fließen als erhofft.

Die Friedensdividende, die die Iraner von ihrem Präsidenten Hassan Ruhani verlangen, dürfte auf sich warten lassen. Das lässt offen, welchen Rückhalt er künftig in der Bevölkerung genießt und wie viel Spielraum ihm die mächtigen geistlichen Führer gewähren. Ebenso ungewiss ist, ob der schiitisch geprägte Iran im Konflikt mit dem sunnitisch beherrschten Saudi-Arabien maßhält und ob er seine drakonische Justiz mäßigen wird.

Die Mühen, den Iran zu einem Partner zu machen, fangen erst an.


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