So sieht es in den Ländern aus Fünf Jahre nach Arabischem Frühling: Das sind die Folgen


dpa/kück Berlin. Vor fünf Jahren entfachten Demonstranten in Tunesien einen Flächenbrand, der fast die ganze arabische Welt erfasste. So sieht es heute in den Ländern des sogenannten Arabischen Frühlings aus:

TUNESIEN: Aus Verzweiflung über Behördenwillkür verbrannte sich im Dezember 2010 ein Arbeitsloser. Danach forderten Tausende Reformen – die „Jasmin-Revolution“ brach aus. Im Januar 2011 floh Präsident Zine el Abidine Ben Ali ins saudische Exil. Die Wirtschaft geriet in eine Dauerkrise, Extremisten bekamen Zulauf und verübten Anschläge. Trotzdem gelang Tunesien der Übergang in die Demokratie. 2014 wurde eine Verfassung verabschiedet, danach wählten die Tunesier ein Parlament und einen Präsidenten.

MAROKKO: Das politisch relativ stabile Königreich hat ein freigewähltes Parlament und ein Mehrparteiensystem. Anfang 2011 forderten Demonstranten mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit. König Mohammed VI. beruhigte die Massen mit einer Verfassungsreform, Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und vorgezogenen Neuwahlen.

LIBYEN: Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Sommer 2011 ging das ölreiche Land zunächst Schritte in Richtung Demokratie. Doch heute herrscht Chaos, der Staat ist praktisch zerfallen. Es gibt zwei Parlamente und zwei Regierungen. Islamistische Milizen und nationalistische Kräfte bekämpfen sich, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat Gebiete erobert. Eine nach UN-Vermittlung angestrebte Einheitsregierung ist bisher nicht zusammengetreten.

ÄGYPTEN: Massenproteste brachten im Februar 2011 den Sturz des Langzeitherrschers Husni Mubarak. Danach gewannen die Muslimbrüder die Wahlen. Doch gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi formierte sich Widerstand. 2013 setzte ihn das Militär 2013 ab. Seit Ex-General Abdel Fattah al-Sisi Präsident ist, fährt das Land einen harten Kurs gegen Islamisten. Tausende wurden verhaftet, Hunderte zum Tode verurteilt. Dschihadisten verüben immer wieder Anschläge. Erst kürzlich wurde ein Parlament gewählt; es spielt bisher keine Rolle.

SYRIEN: Präsident Baschar al-Assad ging 2011 mit Gewalt gegen Proteste vor. Daraus entwickelte sich ein Bürgerkrieg, bei dem bisher mehr als 250.000 Menschen getötet wurden. Rund zwölf Millionen Syrer sind auf der Flucht. Assad verlor die Herrschaft über große Teile Syriens an Rebellen und Dschihadisten wie den Islamischen Staat. Friedensgespräche scheiterten, ein Kriegsende ist nicht abzusehen.

JORDANIEN: Nachdem Tausende auf die Straße gegangen waren, bekam das gewählte Parlament seit Februar 2011 schrittweise mehr Einfluss und hat nun ein größeres Mitspracherecht. König Abdullah II. behält jedoch das letzte Wort. Das Land hat viele Flüchtlinge aufgenommen und dient als Basis für Luftangriffe im Syrienkrieg.

KUWAIT: Nach Protesten von Staatenlosen, die einen großen Teil der Bevölkerung ausmachen, und einer monatelangen Regierungskrise trat die Regierung im November 2011 zurück; später wurde das Parlament aufgelöst. Vor der Neuwahl 2012 kam es zu Zusammenstößen. Die Lage beruhigte sich durch soziale und wirtschaftliche Zugeständnisse der Herrscherfamilie Al-Sabah.

SAUDI-ARABIEN: Im Frühjahr 2011 gab es in schiitischen Orten der ölreichen Ostprovinz Proteste, die mit Gewalt von der Polizei beendet wurden. Demonstrationen sind in dem vom sunnitischen Haus al-Saud beherrschten Königreich verboten. 2014 wurde der schiitischen Geistliche Nimr al-Nimr, zentrale Figur der Proteste von 2011, zum Tode verurteilt und am 2. Januar 2016 zusammen mit 46 weiteren Menschen hingerichtet.

BAHRAIN: In dem Golfstaat unterdrückt ein sunnitisches Herrscherhaus die schiitische Mehrheit. Im März 2011 beendete das Militär gewaltsam den Dauerprotest der Reformbewegung. Saudi-Arabien schickte Panzer zur Unterstützung von König Hamad bin Issa al-Chalifa.

JEMEN: 2011 brachen Proteste aus, die zum Sturz von Langzeitpräsident Ali Abdullah Salih führten. Seitdem ist der Jemen nicht zur Ruhe gekommen. Bis heute kämpfen schiitische Huthi-Rebellen in einem Bürgerkrieg gegen Truppen einer sunnitische Regierung, die von einer von Saudi-Arabien geführten Sunnitenkoalition unterstützt wird.


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