Verbände reagieren auf Entwurf Pflegeausbildung: Lob und Kritik für Reformpläne

Fachverbände reagieren mit Lob und Kritik auf den Gesetzentwurf zur Pflegeausbildung. Foto: dpaFachverbände reagieren mit Lob und Kritik auf den Gesetzentwurf zur Pflegeausbildung. Foto: dpa

Osnabrück. Die Bundesregierung will die Pflegeausbildung vereinheitlichen und eine gemeinsame Ausbildung von Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegern einführen. Das Bundeskabinett hat einen entsprechenden Entwurf beraten.

Die Pläne von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ernten bei Fachleuten Lob und Kritik.

Negativ sieht das Urteil von Ulrich Schneider, dem Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes aus: „Der vorliegende Gesetzentwurf wirft im Moment noch mehr Fragen auf, als dass er Probleme zuverlässig lösen würde“, erklärt Schneider und fordert, die Bundesregierung müsse „dringend noch einmal nacharbeiten“. Mit Blick auf die Skepsis vieler Praktiker sei es die Frage, ob insbesondere Kinderkrankenschwestern mit einbezogen werden sollten. Geklärt werden müsse etwa die Finanzierung der Pflegeausbildung.

Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste stellt fest, die„berechtigten“ Einwände der betroffenen Berufsverbände der Altenpflege und deren Einrichtungen, der Kinderkrankenpflege, der Ärzte und Beschäftigtenvertreter „gegen den Reformunsinn“ würden nicht berücksichtigt. „Damit beginnt das Jahr 2016 nicht gut für die Altenpflege.

Berufsverband für Pflegeberufe begrüßt Reformschritt

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe begrüßt dagegen ausdrücklich den Kabinettsentwurf: „Mit diesem Reformschritt ist nun endlich eine Richtung eingeleitet, die die Pflegeberufsausbildung in Deutschland europäischem Niveau näherbringt.“ Jetzt werde es darauf ankommen, Inhalte und Rahmenbedingungen der neuen Ausbildung im Sinne eines modernen Berufs zu gestalten, erklärte Verbandsvizepräsidentin Gertrud Stöcker.

Auch der Deutsche Caritasverband reagierte positiv: Die Zusammenführung der drei bisher getrennten Pflegeausbildungen sei „dringend geboten“. Die Möglichkeit zum flexiblen Wechsel zwischen den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern werde auch die Attraktivität des Pflegeberufs erhöhen und so dem Fachkräftemangel entgegen wirken.

„Das bringt keine zusätzlichen Altenpfleger ans Bett“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht im Pflegeberufsgesetz hingegen keine Abhilfe gegen den akuten Pflegenotstand. „Das bringt keine zusätzlichen Altenpfleger ans Bett“, erklärte Vorstand Eugen Brysch. Bereits heute fehlten rund 30000 Fachkräfte. Auch werde das Gesetz die Lohnunterschiede in der Pflege nicht beseitigen. „Die Stärke des deutschen Ausbildungssystems ist seine Spezialisierung“, so Brysch. Allein für den Elektroniker gebe es mindestens vier verschiedene Ausbildungsgänge. Der von der Bundesregierung vorgeschlagene Sonderweg mache diese Stärke im Pflegebereich zunichte. „Akutpflege im Krankenhaus und Langzeitpflege im Heim erfordern sehr unterschiedliche Fertigkeiten und Qualifikationen“, sagte der Patientenschützer.


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