Nach Kritik bei Facebook „Süddeutsche Zeitung“ entschuldigt sich für Titelfoto

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Dieses Titelbild der „Süddeutschen Zeitung“ sorgte in sozialen Netzwerken für Ärger. Screenshot: KückmannDieses Titelbild der „Süddeutschen Zeitung“ sorgte in sozialen Netzwerken für Ärger. Screenshot: Kückmann

Osnabrück. Eine schwarze Hand, die zwischen weiße Beine greift: Für dieses Titelseiten-Foto ist die „Süddeutsche Zeitung“ am Wochenende in sozialen Netzwerken scharf kritisiert worden. Nun hat sich die Zeitung für die Illustration entschuldigt.

Der Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ hat sich für das Titelfoto der Wochenend-Ausgabe der Zeitung entschuldigt. Es zeigt eine schwarze Hand, die zwischen weiße Beine greift, und wurde zur Illustration der Berichterstattung über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln genutzt. SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach schreibt selbstkritisch in einem Facebook-Post, das Bild bediene „stereotype Bilder vom ,schwarzen Mann‘, der einen ,weißen Frauenkörper‘ bedrängt“.

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Posted by Süddeutsche Zeitung on Samstag, 9. Januar 2016

Am Samstagmorgen hatte die SZ-Redaktion das Bild bei Facebook gepostet und damit sofort eine Welle der Empörung ausgelöst. Nicht nur die Zeichnung wurde kritisiert, sondern auch der dazugehörige Teaser-Text mit dem ersten Satz: „Viele junge Muslime können nicht entspannt dem anderen Geschlecht begegnen.“ Dieser stammt aus einem Interview, das die SZ geführt hat, war aber nicht als Zitat gekennzeichnet, sondern wirkte wie ein Statement der Redaktion.

In der Kommentar-Funktion unter dem Post hagelte es Kritik. „Wie bitte? Wer denkt sich so etwas aus? Ärgerliche Aussage und unsäglich üble Illustration. Nicht gut, Süddeutsche Zeitung!“, schrieb eine Leserin. „Wie widerlich ist so eine verleumderische, hetzerische Kampagne! Mir fehlen die Worte wie entsetzt ich über dieses Bild und den zugehörigen Text bin – Rassistischer Müll!“, hieß es in einer anderen Redaktion.

Ein Nutzer schrieb „Häh??????? SZ auf Focusniveau?“ und spielte damit auf das aktuelle Cover des „Fokus“-Magazins an, das bereits zuvor für heftige Empörung gesorgt hatte. „Reißerisch, populistisch, rassistisch – einfach unterirdisch, diese Titelseite. Und das in der SZ. So was macht mir Angst“, konstatierte eine weitere Leserin.

In seiner Entschuldigung auf Facebook schreibt Chefredakteur Krach, die Redaktion habe in den begleitenden Texten zu der umstrittenen Illustration „so differenziert wie möglich über die Ereignisse von Köln“ berichtet. Aber er räumt ein, die Zeichnung laufe dieser differenzierenden Absicht entgegen. Sie „kann so verstanden werden, als würden Frauen zum Körper verdinglicht und als habe sexuelle Gewalt mit Hautfarbe zu tun“. Die SZ bedauere es, wenn „wir durch die Illustration die Gefühle von Leserinnen und Lesern verletzt haben und entschuldigen uns dafür“.

Am Wochenende haben wir sowohl in der gedruckten Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung" als auch auf SZ.de ausführlich über...

Posted by Süddeutsche Zeitung on Sonntag, 10. Januar 2016


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