zuletzt aktualisiert vor

Friedrich II. gewährte in Preußen Religionsfreiheit – „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ Fleißig, tolerant, pflichtbewusst

Von Christof Haverkamp

Osnabrück. Er schaffte drei Tage nach Regierungsantritt die Folter ab (zumindest auf dem Papier und mit Ausnahmen) und verstand sich mit großem Pflichtbewusstsein als erster Diener seines Staates. Er setzte sich für Rechtssicherheit ein und verlangte gleiches Recht auch für den letzten Bettler. Er förderte die Zuwanderung und gewährte Glaubensfreiheit.

So widersprüchlich sich der Preußenkönig darstellt – als Schöngeist, Kriegsherr, aber auch als menschenfeindlicher Zyniker: In diesen Punkten zeigte er seine Sonnenseiten. Dass heute von den legendären preußischen Tugenden Zuverlässigkeit, Sparsamkeit, Ehrlichkeit und Fleiß geredet wird, liegt mit an Friedrich II.

„Die Religionen Müßen alle Tolleriret werden“, schrieb Friedrich II. am 22. Juni 1740. Noch berühmter ist der dann folgende Satz: „Hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden“, besser bekannt in der Variante: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“

Diese Maxime stellte der 28-Jährige auf, kaum dass er an die Macht gekommen war. Friedrich II. notierte es am Rand einer Eingabe zur Frage, ob die katholischen Schulen im mehrheitlich protestantischen Preußen wieder abgeschafft werden sollten. Eine Schließung lehnte der König ab, er wollte Toleranz.

Preußen ermöglichte als erstes Land ein friedliches Nebeneinander der Glaubensbekenntnisse. „Der preußische Staat war konfessionell gleichgültig“, schreibt der Publizist Sebastian Haffner in seinem Buch „Preußen ohne Legende“ über Friedrichs Verhalten: „Seine Untertanen durften katholisch oder protestantisch, lutherisch oder calvinistisch sein“, sie durften Juden oder Muslime sein, „das war ihm alles gleich recht, wenn sie nur ihre Staatspflichten erfüllten“.

Nicht, dass Friedrich den Religionen besonders nahestand. Im Gegenteil: Persönlich hielt er deren Rituale sogar für lächerlich, für Aberglauben – und er übergoss das Christentum mit Spott. Aber der Preußenkönig orientierte sich an dem, was ihm zweckmäßig erschien.

Nach der Eroberung Schlesiens mit seiner überwiegend katholischen Bevölkerung konnte er belegen, wie ernst es ihm mit der konfessionellen Toleranz war. Und um seine Neutralität in religiösen Dingen zu beweisen, schenkte er 1747 den Berliner Katholiken ein Grundstück im Zentrum der Stadt. Darauf konnten sie die St.-Hedwig-Kathedrale bauen – das erste katholische Gotteshaus in Berlin nach der Reformation.

Bemerkenswert ebenfalls sein Einsatz für die Jesuiten: Nachdem Papst Clemens XIV. am 16. August 1773 auf innerkirchlichen und politischen Druck das Ende des Ordens verfügte, war es ausgerechnet Friedrich II., der sich dem widersetzte. Er ließ es nicht zu, dass die Jesuiten aus den schlesischen Schulen abgezogen wurden. Auch hier erwies sich der Herrscher als Realpolitiker.


0 Kommentare