Bedeutung für Nahen Osten Saudi-Arabien und Iran: Gründe und Folgen ihrer Feindschaft

In Teheran protestieren Iraner gegen Saudi-Arabien. Foto: dpaIn Teheran protestieren Iraner gegen Saudi-Arabien. Foto: dpa

Osnabrück. Saudi-Arabien und der Iran sind die beiden großen Gegenspieler in der Golfregion. Weshalb sind sie verfeindet? Und in welche Konflikte in der Region sind sie verwickelt?

Religiöse Konkurrenz: Der Iran ist die Hochburg der Schiiten, Saudi-Arabien hat mit dem Wahhabismus eine besonders strenge Auslegung des sunnitischen Islam als Staatsreligion und begreift sich als Schutzmacht der Sunniten (Weiterlesen: So unterscheiden sich Sunniten und Schiiten ). Beide Länder verstehen sich als islamische Staaten, deren Handeln religiös begründet und legitimiert ist. Und beide definieren sich als Wahrer des einzigen Islam sowie als Führungsmacht für die Gesamtheit der Muslime weltweit, der sogenannten Umma. Dieser Anspruch muss zwingend zur Kollision führen.

Wirtschaftliche Konkurrenz: Saudi-Arabien und der Iran sind rivalisierende Ölproduzenten. Nach Angaben der Commerzbank werden in der Region rund um den Persischen Golf knapp 30 Prozent des globalen Ölangebots gefördert. Derzeit wird der Ölpreis auch durch die Preispolitik der Opec gedrückt: Die Saudis wollen ihn auch unten halten, um dem Iran ökonomisch zu schaden. Wie ein Bumerang fällt diese Strategie auf Riad zurück: Das Königshaus musste ein Minus von 80 Milliarden Euro im Staatshaushalt vermelden. Der Iran wiederum hofft, wirtschaftlich aufholen zu können, wenn die internationalen Sanktionen nach dem Ende des Atomstreits fallen.

Syrien: Längst ist das Blutvergießen in Syrien ein Stellvertreterkrieg (Weiterlesen: Machtgefüge im Nahen Osten: Diese Staaten mischen mit ). Der Iran unterstützt Präsident Baschar al-Assad, der als Alewit dem schiitischen Islam nahesteht. Teheran versteht Syrien als sein Einflussgebiet. Saudi-Arabien hingegen wittert die Chance, seinen Einfluss auf dieses Land, dessen Bevölkerung überwiegend sunnitisch ist, auszudehnen. Deshalb beliefert Riad verschiedene, radikale Rebellengruppen mit Waffen und Geld. Auch den IS soll das Königshaus anfangs unterstützt haben, bevor er zu mächtig wurde. Wegen der Verwicklung beider Staaten in den Konflikt ist eine Friedenslösung für Syrien nur unter Einbeziehung beider Regionalmächte möglich. Die neuen Spannungen lassen befürchten, dass die Chancen für die geplanten Friedensgespräche in Genf ab Mitte Januar schlecht stehen.

Jemen: Seit Jahren versinkt das Armenhaus Arabiens im Chaos, und Teheran und Riad mischen eifrig mit. Beide wollen den Jemen in den jeweils eigenen Einflussbereich ziehen. Der Iran unterstützt die schiitischen Huthi-Rebellen, die im Sommer 2014 auf die Hauptstadt Sanaa vorrückten und die Regierung von Abed Rabbo Mansur Hadi vertrieben. Hadi ging ins saudische Exil. Seit März 2015 fliegt Riad Luftangriffe im Jemen, um Hadi wieder zu installieren. Eine Waffenruhe erklärten die Saudis erst vor wenigen Tagen für beendet.

Irak: Mit Schrecken beobachtete Saudi-Arabien, wie die USA nach ihrer Irak-Invasion 2003 die sunnitische Führungselite um Diktator Saddam Hussein absetzten. Der Irak, dessen Bevölkerung überwiegend schiitisch ist, bekam nun auch eine schiitisch dominierte Regierung. Erwartungsgemäß wuchs Teherans Einfluss auf Bagdad. Riad versucht seitdem, die Sunniten im Irak zu stärken, bislang ohne großen Erfolg. Im Gegenteil: Enttäuschte irakische Sunniten ließen die Sunniten-Miliz IS groß werden, die der unterdrückten Minderheit eine Stimme gab.

Libanon: Nicht umsonst wird vom Libanon gesagt, in ihm ließen sich die Konflikte des Nahen Ostens wie unter einem Brennglas beobachten. In dem kleinen Staat leben sunnitische und schiitische Muslime, Christen und Drusen auf engstem Raum zusammen – was zu zahlreichen Konflikten führt. So hat das Land seit Mai 2014 keinen Präsidenten mehr, weil sich die Parteien nicht auf einen Nachfolger einigen können. Zwei Koalitionen stehen sich gegenüber: eine pro-syrische und vom Iran unterstützte, die aus der schiitischen Partei Hisbollah und christlichen Verbündeten besteht, und eine sogenannte pro-westliche aus sunnitischen und christlichen Kräften, die zugleich Saudi-Arabiens Wohlwollen hat. Erst Mitte September meldeten libanesische Medien, der Iran und Saudi-Arabien hätten sich bei Gesprächen in Wien nicht auf ein Ende des Präsidentenstreits einigen können.


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