zuletzt aktualisiert vor

AfD im Fokus von Plasberg-Talk Hart aber fair: Pistorius nur Statist bei Petry-Werbeshow


Osnabrück. Warum vermeintlich besorgte Bürger Brandsätze auf Flüchtlingsheime werfen – dieser Frage wollte Frank Plasberg am Montagabend in seiner ARD-Talkshow „Hart aber fair“ nachgehen. Am Ende wurde es eher eine Werbeveranstaltung für AfD-Vorsitzende Frauke Petry mit Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) und anderen in der Statistenrolle.

Ging es nach Petry, so konnte am Ende der Talkshow der Eindruck entstehen, ihre Partei sei mindestens so verfolgt wie die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. Jedenfalls würde ihre Partei von Politikkonkurrenz und Medien dafür abgestraft, dass sie Probleme anspreche. Wer die Wahrheit sage, der gelte gleich als Nazi, so Petry. Dieses Argumentationsmuster wiederholte die Parteivorsitzende bei fast jedem Vorwurf, der an sie gerichtet wurde. Den übrigen Diskussionsteilnehmern gelang es nicht, darüber hinaus mit ihr ins Gespräch zu kommen.

„Das darf man auch mal sagen“

Einer stimmte sogar in den Opferkanon ein: Sitznachbar Joachim Lenders, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Der beklagte linksextremistische Aggression, die in Deutschland angeblich verschwiegen werde. Seine Ausführungen schlossen mit der Formulierung: „Das darf man auch mal sagen.“ So oder so ähnlich ein ums andere Mal auch von Frauke Petry gesagt.

Ursprungsfrage spielt keine Rolle mehr

Die Frage nach den Hintergründen der Attacken auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte geriet vollkommen in den Hintergrund. Niedersachsens Innenminister Pistorius konnte den Brandanschlag in Salzhemmendorf gerade noch als „Rechtsradikalismus“ bezeichnen, da begann die Stunde von Frauke Petry. (Weiterlesen: Feuerwehrmann gesteht Brandstiftung in Flüchtlingsheim)

„Überhaupt zugänglich für irgendwas?“

Tatsächlich fast 60 Minuten konterte sie Vorwürfe mit Gegenvorwürfen, schnitt den übrigen Studiogästen das Wort ab und wartete regelrecht auf Stichworte wie die von politisch Verfolgten, die nach Deutschland kämen, um mantraartig AfD-Positionen herunterzubeten wie die von den Medien und Politik verschwiegenen Wirtschaftsmigranten. ZDF-Moderatorin Dunja Hayali fragte entgeistert: „Sind sie überhaupt zugänglich für irgendwas?“

Als Pistorius Aussagen von Petrys Parteikollegen Björn Höcke über das 1000-jährige Deutschland und das deutsche Erfurt, das Deutsch bleiben solle, als „völkischen Stumpfsinn“ bezeichnete, attackierte ihn Petry. Von Volk dürfe man in Deutschland wohl nicht mehr sprechen, herrschte sie den SPD-Politiker an. So überspielte sie aber auch die Frage, wie weit rechts sich die AfD im Parteienspektrum positionieren will – und welche Rolle die Rhetorik der Rechtspopulisten dabei spielt, dass aus vermeintlich besorgten Bürgern Brandstifter werden. (Weiterlesen: Das sagte Pistorius unserer Redaktion zur AfD)

Hintergründe zur Flüchtlingskrise auf www.noz.de/fluechtlinge


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN