Pannenreaktoren wieder am Netz Grüne fordern Nuklear-Sicherheitsabkommen mit Belgien


Osnabrück. Kommt es in Belgien zu einem Atomunfall, ist die Chance groß, dass auch Deutschland betroffen wäre. Die Grünen kritisieren, dass es zwischen den beiden Nachbarländern kein sogenanntes Nuklear-Sicherheitsabkommen gibt.

Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Fraktion: „Die Bundesrepublik hat mit allen Nachbarländern mit Atomkraftwerken ein solches Abkommen, nur mit Belgien nicht. Das rächt sich jetzt.“

Zwei Pannenreaktoren wieder am Netz

Im Nachbarland waren kürzlich zwei Atomreaktoren wieder hochgefahren worden, die seit März 2014 stillstanden. Zuvor waren Haarrisse an Reaktorbehältern entdeckt worden. Die Bundesrepublik hatte trotz der teilweise räumlichen Nähe zu Deutschland keine Möglichkeit, vor dem Wiederanfahren Bedenken zu äußern. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. Demnach sei ein internationales Arbeitstreffen der Aufsichtsbehörden geplant, auf dem Deutschland Stellung nehmen könne. Ein Termin stehe aber noch nicht fest.

Grüne: Deutschland hilflos

Kotting-Uhl zeigte sich empört über die Hilflosigkeit deutscher Behörden. Sie nannte das angekündigte Treffen ein „wertloses Angebot“, da längst Fakten geschaffen worden seien. „Wenn es in Belgien zu einem Atomunfall kommt, wird Deutschland aufgrund häufigen Westwindes wahrscheinlich radioaktiv verseucht.“ Bundesbürger würden demnach ein Risiko tragen, die Bundesregierung könne dem Handeln belgischer Behörden aber lediglich zuschauen.

Es müsse eine „solide Rechtsgrundlage“ für einen frühzeitigen Informationsaustausch und das Anbringen von Bedenken geschaffen werden, forderte Kotting-Uhl ein Sicherheitsabkommen ein. Zudem sprach sie sich für die sofortige Abschaltung der Reaktoren Doel bei Antwerpen und Tihange bei Lüttic h aus. Offiziell plant Belgien, 2025 aus der Atomenergie auszusteigen. Der Beschluss dazu fiel bereits im Jahr 2003.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN