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Heftige Kontroverse um Klageverzicht – Wattenrat-Sprecher: BUND, WWF und NABU verkaufen ihre Ideale Naturschützer fährt schweres Geschütz gegen Umweltverbände auf

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Osnabrück. Einer gegen alle: Manfred Knake, pensionierter Biologie-Lehrer und passionierter Naturschützer, ist Sprecher des Wattenrats. Seine Tiraden sind gefürchtet. Diesmal fährt er schweres Geschütz gegen Mitstreiter auf. Sein Vorwurf: Umweltverbände wie BUND, NABU und WWF verkaufen ihre Ideale. Weil sie zwar zunächst Klagen etwa gegen einen Flughafenausbau einreichen, sich dann aber vor Gericht auf einen Vergleich einlassen. Auf die Klage werde verzichtet, dafür fließe Geld in eine Stiftung der Verbände. „Das war bei der Emsvertiefung so, das geht aktuell weiter mit dem Offshore-Windpark Nordergründe im Wattenmeer vor Wangerooge“, wettert Knake. „Die Umweltverbände sind nur noch Geldsammelvereine“, mosert er. Im Fall Nordergründe habe der BUND verschwiegen, dass die nach dem Vergleich installierte „Stiftung Naturlandschaft“ eine „BUND-eigene Stiftung ist“. Adressen und Telefonnummern von Stiftung und BUND Niedersachsen seien identisch. Dessen Geschäftsführer Karl-Wilhelm Bodenstein widerspricht energisch: „Die Stiftung gehört uns nicht, wurde nur von uns gegründet.“

In einem Punkt sind sich Bodenstein und Knake aber fast einig: Weil das Land für den Windpark zuständig ist und laut Bodenstein im Auftrag des Betreibers die Kompensation für den Eingriff in die Natur leisten muss, fließt als Folge des Vergleichs vom Land Geld an die Stiftung. Bodenstein spricht von „maximal 800000 Euro“, Knake von „830000 Euro“ – allerdings erst, wenn der Bau beginnt.

Einer, der beim Deal von Nordergründe dabei war, ist Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeer-Büros in Husum. „Wir haben die Klage des BUND unterstützt“, sagt er. Der geplante Windpark sei für Vögel gefährlich. Wieso dann der Vergleich? Hat Knake doch recht? „Ach, der Herr Knake“, seufzt Rösner. „Er versteht nicht, dass es auch andere umweltpolitische Strategien geben kann.“ Dazu gehöre ein Vergleich, „wenn die Erfolgsaussichten in einem Verfahren schwinden“. Knakes Argument, dann von vornherein auf eine Klage zu verzichten, lässt Rösner nicht gelten. Oft gebe es erst später neue Erkenntnisse. „Nichts Anrüchiges“ sind Vergleiche laut Josef Tumbrinck. Der Chef des NRW-NABU hat sich lange mit Gerd Stöwer, Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO), wegen des geplanten FMO-Ausbaus beharkt. Auch da kam es zur Einigung, allerdings ohne Gericht. Und beide beteuern: Geld in irgendeine Stiftung ist nicht geflossen.


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