Konflikt mit vielen Akteuren Wer hat welche Interessen im Syrien-Krieg?

Von Reuters

Unterstützt Assad: Der iranische Außenpolitiker Alaeddin Boroujerd während eines Besuchs in Damaskus. Foto: dpaUnterstützt Assad: Der iranische Außenpolitiker Alaeddin Boroujerd während eines Besuchs in Damaskus. Foto: dpa

Wien. Selbst wenn mit der Syrien-Konferenz in Wien der Einstieg in Friedensverhandlungen geschafft sein sollte, bleiben für die Unterhändler dicke Bretter zu bohren: Denn die Syrien-Krise birgt unterschiedliche Chancen und Risiken für die Beteiligten. Sie verfolgen gegensätzliche Interessen in der Region.

Iran, Schutzmacht der Schiiten

Als Schutzmacht der Schiiten unterstützt der Iran die libanesische Hisbollah-Miliz, die in Syrien auf der Seite der Regierungstruppen von Präsident Baschar al-Assad kämpft. Zugleich ist die Islamische Republik Erzfeind der USA und der Saudis und blieb daher bei Verhandlungen bisher außen vor.

Es war wohl erst die russische Militärintervention, die in Washington nun einen Sinneswandel auslöste. Gespannt wartet die Welt, wie sich der Iran in den Verhandlungen verhält.

Einerseits sind die Hoffnungen groß, dass sich das Land über das Atomabkommen hinaus aus der Isolation befreien und auch andere strittige Positionen wie die Hilfe für die Hisbollah aufgeben könnte. Andererseits ist Assad ein alter Verbündeter und die Unterstützung für die Hisbollah Teil der iranischen Staatsräson. Es ist unklar, zu wie vielen Zugeständnisse die Konservativen um den geistlichen Führer Ajatollah Ali Chamenei bereit sind.

Saudi-Arabien, Schutzmacht der Sunniten

Saudi-Arabien gilt als Schutzmacht der Sunniten, zu denen die meisten Aufständischen in Syrien ebenso wie die Anhänger der Extremistenmiliz Islamischer Staat zählen. In Syrien unterstützt das Königreich sunnitische Rebellen im Kampf gegen Assad und den IS.

Saudi-Arabien hat großes Interesse daran, dass der Erzfeind Iran seine Macht in der Region nicht noch mehr ausdehnt und der IS nicht weiter an Stärke gewinnt, da das saudische Königshaus um die Stabilität der eigenen Monarchie fürchtet. Zudem teilt Saudi-Arabien die Furcht vor einem Zerfall Syriens, der ein Auseinanderbrechen des Libanons und des Iraks nach sich ziehen und die ganze Region tiefer ins Chaos stürzen könnte.

Türkei: Angst vor einem Kurdenstaat

Die große Angst der türkischen Führung ist die Gründung eines eigenen Kurdenstaates. Deshalb beobachtet das Land misstrauisch, wie die Kurden im Norden Syriens ihre autonomen Zonen ausbauen.

Auch im Irak gewinnen die Kurden an Stärke: Die kurdischen Peschmerga sind dort neben den vom Iran unterstützten Schiitenmilizen die stärkste militärische Kraft, nachdem die von den USA aufgebaute Armee unter dem Ansturm des IS weitgehend zusammenbrach.

PKK: Hoffnung auf einen Kurdenstaat

In der Türkei selbst ist der Konflikt zwischen der Regierung und der kurdischen PKK wieder voll entflammt. In dieser Situation könnte ein Zerfall des Iraks die Gründung eines Kurdenstaates erleichtern. Dies alles spielt sich im Schatten des türkischen Wahlkampfes und eines zunehmend härteren Vorgehens von Präsident Recep Tayyip Erdogan ab.

Russland: Verbündeter Assads

Russland hat mit der Militärintervention und der erfolgreich organisierten Gesprächsrunde in Wien bereits einen großen Erfolg erzielt: Beim Thema Syrien verhandelt die Großmacht wieder auf Augenhöhe mit den westlichen Staaten - eine Rolle, die das Land anstrebt. Allerdings leidet Russland unter einer Wirtschaftskrise wegen des niedrigen Ölpreises und der Sanktionen in der Ukraine-Krise.

Der Militäreinsatz in Syrien ist teuer. Es mehren sich die Zeichen, dass er keinen durchschlagenden Erfolg bringt. Ein wichtige Rolle im Friedensprozess könnte daher eine Möglichkeit sein, sich auch für eine Zukunft nach Assad Einfluss und den russischen Marine-Stützpunkt Tartus zu sichern, zugleich aber auch einen Schritt zum Ende der Luftangriffe zu gehen. Außerdem verärgert Russland mit dem Militäreinsatz die reichen Golfstaaten, mit denen es eigentlich Geschäfte machen will.

USA: Argwohn gegen Iran

Die USA sind durch die russische Militärintervention in Zugzwang geraten. Sie haben bei dem jahrelangen Krieg im Irak einen hohen Blutzoll gezahlt - nur um nun zu sehen, wie die Armee zerfällt. Zugleich gewinnt in Bagdad ausgerechnet der alte Feind Iran an Macht, da der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi militärisch immer stärker auf die Unterstützung der Schiitenmilizen angewiesen ist.


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