Kriegsschauplatz Internet Bundeswehr kämpft jetzt auch an der Cyber-Front

Digitale Angriffe können verheerende Folgen haben. Daher rüstet sich die Bundeswehr für den Cyber-Krieg. Foto: dpaDigitale Angriffe können verheerende Folgen haben. Daher rüstet sich die Bundeswehr für den Cyber-Krieg. Foto: dpa

Osnabrück. Die Bundeswehr rüstet sich für den Cyber-Krieg im Internet. Es hat sich zum neuen Kriegsschauplatz entwickelt.

Cyber-Krieg? Als die Bundeswehr vor 60 Jahren entstand, kam das Wort allenfalls in Science-Fiction-Romanen vor. Heute dagegen ist die Bedrohung nicht mehr Fantasie, sondern real. Viren und Trojaner werden zu Bomben der heutigen Zeit. Die Truppe stellt sich darauf ein, digitale Attacken abzuwehren – die Soldaten rüsten sich für den Krieg im Internet. Es hat sich zum neuen Kriegsschauplatz neben den klassischen Operationsräumen Land, See, Luft und Weltraum entwickelt.

Leitstellen, Bankautomaten, Dialyse-Apparate lahmgelegt

Zu den Horrorszenarien gehört es, dass Hacker Software manipulieren, in die kritische Infrastruktur eindringen und nicht allein durch einen Stromausfall viele Bereiche schädigen: Leitstellen in Kraftwerken, Klima- und Kläranlagen, Bankautomaten, aber auch Krankenhäuser mit lebenswichtigen Maschinen wie Dialyse-Apparaten.

Das alles ist keine Zukunftsvision. In Estland legte ein Cyber-Angriff im Jahr 2007 Banken, Behörden, Polizei und Regierung mehrere Tage lahm, dahinter soll der russische Geheimdienst FSB gesteckt haben. Auf Krankenhäuser und die Energieversorgung wirkte sich die Attacke ebenfalls aus, und Notrufnummern waren nicht mehr erreichbar. Bei den Angriffen handelte es sich um DoS-Attacken (DoS = „denial of service“, zu Deutsch etwa: Dienstverweigerung), die einen Server mit einer so großen Menge von Anfragen bombardieren, dass er wegen Überlastung zusammenbricht. Im Sommer 2008 setzten Angriffe die Server der Regierung von Georgien außer Funktion, ausgerechnet zu einer Zeit, als gerade russische und georgische Truppen um Südossetien kämpften. Webseiten wurden gehackt und verändert. 

Leittechnik im Iran zerstört

Und im Iran zerstörte der Computerwurm Stuxnet im Jahr 2010 die Leittechnik der Urananreicherungsanlage in Natanz. Vermutlich steckten die USA oder Israel dahinter. Auch durch diese Sabotae änderte sich die Haltung zum Cyberkrieg.

Stahlwerk angegriffen und Hochofen beschädigt

In Deutschland wurde 2014 gezielt ein Stahlwerk angegriffen und ein Hochofen schwer beschädigt, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) berichtete, ohne weitere Details zu nennen. Ein Beweis für die Verwundbarkeit in der digitalisierten Welt.

Auch die Bundeswehr selbst sieht sich als hochgradig vernetzte digitalisierte Großorganisation zunehmend bedroht. Gefahren befürchtet die Truppe etwa in den Hauptquartieren oder beim Manipulieren von Lenkwaffen. Um gegenzusteuern, hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am 16. April die „Strategische Leitlinie Cyber-Verteidigung im BMVg“ erlassen. Die Ressortchefin will das Know-how in der Informationstechnologie in einem neuen Kommando Cyber- und Informationsraum bündeln.

Die Bundeswehr fängt bei der Gefahrenabwehr nicht bei null an, sondern hat bereits ein Netz von Dienststellen aufgebaut, um die digitale Sicherheit zu garantieren.

Forschungszentrum zur Cyber-Abwehr

So wurde an der Universität der Bundeswehr in München im April 2013 ein Forschungszentrum zur Cyber-Abwehr gegründet. Und bei Euskirchen in der Eifel arbeiten rund 60 Spezialisten im Computer Emergency Response Team der Bundeswehr, kurz CERTBw. Sie schützen die rund 200 000 Rechner der Bundeswehr, analysieren Schwachstellen und Schadsoftware. Weil sich auch weitere Einheiten damit beschäftigten, will von der Leyen die zersplitterten Zuständigkeiten bündeln. Unter Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder entsteht im Ministerium der Aufbaustab für ein Cyber-Kommando, das sich auch mit nicht-militärischen Stellen abstimmen soll.

Die größte militärische IT-Übung der Welt

Auch militärische Übungen zur Abwehr von Angriffen aus dem Netz gab es bereits: In Grafenwöhr in der Oberpfalz startete im September 2013 die IT-Übung Combined Endea vour. Mehr als 1200 Teilnehmer überprüften ihre Fähigkeit, weltweit vernetzte militärische Operationen zu führen – es war die größte militärische IT-Übung der Welt.


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