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29.10.2015, 14:09 Uhr KOMMENTAR ZUR GESETZESÄNDERUNG

China schafft Ein-Kind-Politik ab: Mit Hintergedanken

Kommentar von Nadine Grunewald

Die Zeiten, in denen chinesische Paar nur noch ein Kind bekommen dürfen, sind vorbei. Foto: dpaDie Zeiten, in denen chinesische Paar nur noch ein Kind bekommen dürfen, sind vorbei. Foto: dpa

Osnabrück. China erlaubt seine Bevölkerung, zwei Kinder auf die Welt zu bringen. Die Abschaffung der Ein-Kind-Politik erfolgt nicht ohne Hintergedanken.

Chinesische Paare dürfen künftig mehr als ein Kind haben. Mit der Abschaffung der Ein-Kind-Politik lockert die Volksrepublik ihren Einfluss auf die Familienplanung. Das ist zwar eine drastische Reform der Bevölkerungspolitik, in Sachen Menschenrechte allerdings nur ein bedingter Fortschritt. Denn auch künftig dürfen Chinesen nicht frei über die Anzahl ihrer Kinder entscheiden: Nur zwei sind erlaubt.

Gesellschaftliche Probleme

Die Ein-Kind-Politik hat zu gesellschaftlichen Problemen geführt. Weil Jungen in China einen höheren Status genießen, wollten Familien hauptsächlich männliche Stammhalter auf die Welt bringen. Weibliche Föten wurde gezielt abgetrieben. Deshalb gibt es jetzt einen Männerüberschuss. China will mit dem Schritt auch der Überalterung der Bevölkerung entgegenwirken – einer Folge der Restriktion aus den 1970er-Jahren. Nach Schätzung der UN werden 2050 rund 440 Millionen Chinesen über 60 Jahre alt sein. Und weil jede Chinesin für eine stabile Bevölkerungsentwicklung im Schnitt 2,1 Kinder bekommen muss, erlaubt die Volksrepublik das jetzt eben.

Stellung stärken

Doch das Ganze geschieht noch vor einem weiteren Hintergrund: Eine stabile Wirtschaftsweltmacht braucht eine gesunde Demografie. Nur so kann China seine Stellung in der Welt weiter halten. Diese Absicht könnte auch hinter den überraschend positiven Zusagen stecken, die der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang Bundeskanzlerin Angela Merkel in Sachen Flüchtlingskrise gemacht hat.


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