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20 Milliarden Euro Kosten jährlich „Kinderlose sollten die Milliarden für Flüchtlinge zahlen“

Hermann Heußner ist Professor für Öffentliches Recht und Recht der Sozialen Arbeit an der Hochschule Osnabrück. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Foto: privatHermann Heußner ist Professor für Öffentliches Recht und Recht der Sozialen Arbeit an der Hochschule Osnabrück. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Foto: privat

Osnabrück. Der Bund will im kommenden Jahr zusätzlich rund sechs Milliarden Euro in die Flüchtlingspolitik investieren. Der Osnabrücker Professor Hermann Heußner meint: Das reicht auf Dauer bei Weitem nicht. Und er bleibt bei seiner Forderung: Deutschland brauche mehr Einwanderung, und Kinderlose müssten diese finanzieren.

Hermann Heußner, Professor für Öffentliches Recht und Recht der Sozialen Arbeit an der Hochschule Osnabrück, sieht in der großen Anzahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge Chance und Herausforderung zugleich. Er hatte schon in der Vergangenheit gesagt, Deutschland brauche 400.000 Einwanderer, um der Überalterung der Gesellschaft entgegenzuwirken. „Jetzt haben wir die Möglichkeit“, sagt Heußner mit Blick auf die steigenden Flüchtlingszahlen. „Aber es erfordert große Investitionskosten.“ Mit rund 800.000 in Deutschland ankommenden Flüchtlingen rechnet der Bund im laufenden Jahr.

„Weit über 20 Milliarden Euro pro Jahr“

Kämen 400.000 Flüchtlinge pro Jahr nach Deutschland, beliefen sich die Kosten auf weit über 20 Milliarden Euro, hat Heußner nachgerechnet. „Mit Schäubles sechs Milliarden Euro ist es nicht getan“, ist er sich sicher. Für das kommende Jahr kalkulieren Union und SPD bislang sechs Milliarden Euro für die Flüchtlingspolitik ein. Der Experte sieht in der Flüchtlingspolitik die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung. „Aber wir sollten die derzeitige Euphorie nutzen, denn am Ende lohnen sich die Investitionskosten“, glaubt er.

Integration und Ausbildung kosten

Heußner bezog für seinen errechneten Betrag von über 20 Milliarden Euro pro Jahr bei 400.000 Flüchtlingen die Integrationskurse, drei Jahre Schule und Ausbildung sowie Kosten für die Hilfen zum Lebensunterhalt und das Wohnen ein. „Ein Integrationskurs kostet 2000 Euro, ein Schulplatz an einer Allgemeinbildenden Schule 5000 bis 6000 Euro pro Jahr“, rechnet er vor. Die meisten Flüchtlinge bräuchten anfangs Hilfen zum Lebensunterhalt und Wohnen von etwa 9000 Euro pro Jahr, und auch nach der Schule müssten viele Flüchtlinge aufgrund geringer Ausbildungslöhne mit ALG II aufstocken. Dazu kommen Kosten für Erstaufnahmeeinrichtungen, erforderlicher Wohnungsbau sowie sozialarbeiterische und psychologische Unterstützung. Zwar seien die Flüchtlinge teilweise sehr gut ausgebildet – viele aber nicht. „Wenn sie studieren, wird es natürlich noch mal teurer“, sagt Heußner. Er betont, es sei eine Überschlagsrechnung. „Natürlich ist die nicht in Stein gemeißelt.“ „Aber wir brauchen nun mal gut ausgebildete Menschen, und irgendwann bringen uns diese Investitionen auch etwas ein“, ist sich Heußner sicher.

Viele offene Lehrstellen

Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI rechnet damit, dass im kommenden Jahr offene Stellen, die zuletzt kräftig zunahmen, durch die steigende Zahl der Flüchtlinge schneller besetzt werden können, berichtet das Institut am Donnerstag. Andererseits werde sich wohl die registrierte Arbeitslosigkeit erhöhen.

Derzeit erzielt der Bund Rekordsteuereinnahmen. Reichen diese nicht aus, müsse über Abgabenerhöhungen gesprochen werden, sagt Heußner. Und er bleibt bei seiner Forderung: Kinderlose in Deutschland sollten die Einwanderung finanzieren. Mit dieser Forderung hatte er bereits in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt – und gar Morddrohungen erhalten.


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