Zahlen, Daten, Fakten Aus diesen zehn Ländern kommen die meisten Asylbewerber

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Hier geht es lang: Ein Schild weist Asylbewerbern die richtige Richtung. Doch woher kommen die Menschen, die in Deutschland einen Antrag stellen? Foto: dpaHier geht es lang: Ein Schild weist Asylbewerbern die richtige Richtung. Doch woher kommen die Menschen, die in Deutschland einen Antrag stellen? Foto: dpa

Osnabrück. Immer mehr Menschen ersuchen um Asyl in Deutschland. Doch woher stammen sie? Wie sieht es in ihren Heimatstaaten aus? Zahlen, Daten und Fakten über die zehn Hauptherkunftsländern von Asylbewerbern.

Die Debatte um die steigende Zahl von Asylbewerbern in Deutschland wird emotional geführt. Halbwissen und Mutmaßungen kursieren. Zeit für einen Faktencheck: Insgesamt 179.037 Asylanträge wurden von Januar bis Ende Juni in Deutschland gestellt. Der Mediendienst Integration hat sich genauer angeschaut, wie es in den zehn Hauptherkunftsstaaten von Asylsuchenden aussieht und wie es um die Anerkennungschancen steht. Die Zahlen beziehen sich jeweils auf das erste Halbjahr 2015.

1. Syrien

Asylanträge: 34.428

Bearbeitet wurden: 29.500

Entscheidungen: Sieben Anträge wurden abgelehnt.

Aus keinem Land sind im ersten Halbjahr 2015 (Januar bis Ende Juni) mehr Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Syrische Flüchtlinge haben gute Chancen, hierzulande Asyl zu bekommen. Grund: In ihrer Heimat tobt seit vier Jahren ein blutiger Bürgerkrieg, dessen Ende nicht in Sicht ist. 250.000 Menschen sind bereits getötet worden. Zudem sind nach UN-Angaben fast zwölf Millionen Syrer auf der Flucht, 7,6 Millionen von ihnen im eigenen Land. Die meisten suchen in den Nachbarstaaten Türkei, Libanon und Jordanien Zuflucht. Nach Europa sind seit Beginn des Krieges 310.000 Syrer gekommen, 121.000 von ihnen nach Deutschland.

2. Kosovo

Asylanträge: 31.400

Bearbeitet wurden: 23.000

Entscheidungen: 22 Personen erhielten einen Aufenthaltsstatus.

Das Kosovo ist Europas jüngster Staat und erst 2008 unabhängig geworden. Doch die Menschen fliehen vor Armut und Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 35 Prozent, bei jungen Erwachsenen sogar bei 60 Prozent. Das politische System gilt als instabil. Viele Anträge werden von Angehörigen der Roma-Minderheit im Kosovo gestellt. Im Land selbst machen sie zwei Prozent der Bevölkerung aus, bei den Anträgen liegt ihr Anteil jedoch bei neun Prozent. Menschenrechtlern zufolge leiden Roma im Kosovo wie auch in anderen Balkanstaaten unter Diskriminierung und Vertreibung.

3. Albanien

Asylanträge: 22.209

Bearbeitet wurden: 5100

Entscheidungen: 14 Personen erhielten einen Aufenthaltsstatus.

Nach Jahren der positiven Entwicklung hat sich die Situation in Albanien zuletzt wieder verschlechtert. 14 Prozent der Albaner leben unterhalb der Armutsgrenze, zwei Prozent sogar in extremer Armut. Hinzu kommen Zerwürfnisse zwischen politischen Gegnern, die zum Teil offen gewaltsam ausgetragen werden und zu Unsicherheit in der Bevölkerung führen. Die EU-Kommission kritisiert zudem, das Land sei geprägt von Korruption und organisierter Kriminalität. Verbreitet seien Waffen-, Drogen- und Menschenhandel.

4. Serbien

Asylanträge: 15.822

Bearbeitet wurden: 13.700

Entscheidungen: Niemand erhielt einen Aufenthaltsstatus.

Die Anerkennungsquote von Asylanträgen aus Serbien tendiert generell gen Null; seit 2014 gilt das Land als „sicherer Herkunftsstaat“. Dennoch verlassen viele Serben ihre Heimat. Armut und Perspektivlosigkeit treibt sie in die Flucht. Noch immer leidet das Land unter den Folgen der Finanzkrise von 2008. Um die wirtschaftliche Entwicklung ist es schlecht bestellt. Die EU, die Serbien eine Beitrittsperspektive gegeben hat, moniert mangelnde Rechtsstaatlichkeit, Korruption und die verbreitete organisierte Kriminalität. Minderheiten würden nicht ausreichend geschützt. Überdurchschnittlich viele der serbischen Asylanträge werden von Roma gestellt.

5. Irak

Asylanträge: 9286

Bearbeitet wurden: 7400

Entscheidungen: 19 Anträge wurden abgelehnt.

Die Situation im Irak ist seit Jahren angespannt, doch durch den Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im vergangenen Jahr hat sich die Lage noch einmal deutlich verschärft. In den von den Terroristen kontrollierten Gebieten kommt es zu Massenexekutionen, Vergewaltigungen und ethnischen Säuberungen. Auch beim Vorgehen des irakischen Militärs und der internationalen Anti-IS-Allianz gegen den IS sterben immer wieder Zivilisten. Laut UN befinden sich vier Millionen Iraker auf der Flucht. Vor allem die Situation der Minderheit der Jesiden im Nordirak ist prekär. Tausende sind bereits vom IS ermordet worden.

6. Afghanistan

Asylanträge: 8179

Bearbeitet wurden: 3200

Entscheidungen: 402 Anträge wurden abgelehnt.

In Afghanistan herrscht seit 30 Jahren Krieg, Gewalt und Terror. In den 1980er-Jahren versuchten die Sowjets, das Land einzunehmen, dann bekämpften sich verschiedene afghanische Warlords, bevor 1996 die radikal-islamischen Taliban die Macht an sich rissen, die wiederum 2001 durch die USA gestürzt wurden. Auch der internationale Militäreinsatz bis Ende 2014 hat dem Land keinen Frieden gebracht. Im Gegenteil, seit dem Abzug der Nato-Kampftruppen gewinnen die Taliban wieder an Einfluss. Auch brechen erneut unterdrückte Stammesfehden und ethnische Konflikte auf. Mehr als 3,7 Millionen Afghanen sind auf der Flucht.

7. Mazedonien

Asylanträge: 6704

Bearbeitet wurden: 4100

Entscheidungen: Sechs Personen erhielten einen Aufenthaltsstatus.

Auch Mazedonien gilt seit 2014 als „sicherer Herkunftsstaat“. In den vergangenen Monaten hat sich die Sicherheitslage im Land verschärft, weil der Konflikt zwischen der Regierung und der albanischen Minderheit neu entbrannt ist. Kritiker bemängeln autokratische Züge in der politischen Führung und weisen auf Korruption, Betrug und Unterdrückung politisch Andersdenkender hin. Hinzu kommt, dass Roma laut Menschenrechtlern systematisch diskriminiert und von staatsbürgerlichen Rechten ausgeschlossen werden. Mehr als die Hälfte der mazedonischen Asylanträge stammt von Roma-Angehörigen.

8. Bosnien und Herzegowina

Asylanträge: 4061

Bearbeitet wurden: 1600

Entscheidungen: Niemand erhielt einen Aufenthaltsstatus.

Im Vielvölkerstaat Bosnien und Herzegowina kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Minderheiten, auch wenn der Ausbruch offener Konflikte als unwahrscheinlich gilt. Seit dem vergangenen Jahr steht das Land auf der Liste der sicheren Herkunftsstaaten. Wirtschaftlich und politisch leidet Bosnien-Herzegowina unter Stagnation. Roma und andere Minderheiten sind laut Menschenrechtlern systematischer Diskriminierung ausgesetzt. Angehörige der Roma stellten mehr als die Hälfte der Asylanträge in Deutschland.

9. Eritrea

Asylanträge: 3636

Bearbeitet wurden: 2100

Entscheidungen: 19 Anträge wurden abgelehnt.

Eritrea wurde 1993 nach 30 Jahren Krieg von Äthiopien unabhängig und ist seitdem ein diktatorisch regierter Militärstaat. Es gibt weder eine Verfassung noch ein Parlament oder eine Justiz, dafür eine fast totale Überwachung der Bevölkerung. Laut UN begeht der Staat systematisch Menschenrechtsverletzungen. Bürger werden willkürlich festgenommen, gefoltert und hingerichtet. Auch können sie vom Staat zum Militär- und Arbeitsdienst eingezogen werden, was einer Versklavung gleichkommt. 400.000 Eritreer und damit sechs Prozent der Bevölkerung sind auf der Flucht. (Weiterlesen: Flüchtlingskrise in Afrika )

10. Nigeria

Asylanträge: 2864

Bearbeitet wurden: 660

Entscheidungen: 23 Personen erhielten einen Aufenthaltsstatus, 67 Anträge wurden abgelehnt; 85 Prozent der Anträge erledigten sich anderweitig vor Entscheidung der Behörde.

Das Gefälle zwischen dem rohstoffreichen Süden und dem rohstoffarmen Norden sowie zwischen den muslimischen und christlichen Bevölkerungsgruppen sorgt im bevölkerungsreichsten afrikanischen Staat für Spannungen. Hinzu kommt der Konflikt mit der islamistischen Terrorsekte Boko Haram, die im Nordosten Nigerias wütet. Massaker, Hinrichtungen und Vertreibungen gehen auf ihr Konto. Doch auch die Regierungstruppen begehen im Kampf gegen Boko Haram Menschenrechtsverletzungen, kritisiert Amnesty International. 1,2 Millionen Nigerianer leben als Vertriebene im eigenen Land. Weltweit sind 91.000 Nigerianer auf der Flucht.


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