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12.08.2015, 18:07 Uhr CHINAS WÄHRUNGSPOLITIK

Abwertung des Yuan: Doping für den Export

Kommentar von Manuel Glasfort

Der Yuan ist im Vergleich zum Dollar billiger geworden. Foto: dpaDer Yuan ist im Vergleich zum Dollar billiger geworden. Foto: dpa

Osnabrück. Der Schock über die stärkste Abwertung des Yuan seit Jahren ist kaum verdaut, da schraubt Chinas Zentralbank erneut den Wechselkurs der Währung herunter. Der Schritt ist leicht erklärlich – und zugleich gefährlich.

Anders als bei Dollar oder Euro wird der Kurs des Yuan nicht frei gebildet, sondern bisher von der Zentralbank festgesetzt. Lassen die Währungshüter mit der Abwertung nun mehr Markt zu, wie sie versichern? Wahrscheinlicher ist, dass sie der schwächelnden Exportindustrie Luft verschaffen wollen. Die Logik ist simpel: Ein billigerer Yuan vergünstigt chinesische Produkte auf dem Weltmarkt. Zugleich werden Importe in China teurer, was die Kursverluste deutscher Autobauer erklärt.

Export-Doping durch Währungs-Dumping – mit dieser Politik befindet sich das Reich der Mitte leider in bester schlechter Gesellschaft. Die EZB und die Bank von Japan setzen zwar nicht die Kurse fest, können sie aber über Wertpapierkäufe drücken. Davon haben sie Gebrauch gemacht: Euro und Yen sind zum Dollar stark gefallen.

Hier wird es gefährlich: Wenn immer mehr Notenbanken zu diesem Mittel greifen, droht im schlimmsten Fall ein Abwertungswettlauf, ein ruinöser Teufelskreis. Umso spannender ist jetzt die Frage, wie die Federal Reserve in den USA reagiert. Leitet sie die angekündigte Zinswende ein?


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