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12.08.2015, 14:43 Uhr UMSTRITTENER VORSTOß

Amnesty und die Prostitution: Warum die Legalisierung richtig ist

Kommentar von Burkhard Ewert

Verbotene Verlockung? Amnesty setzt sich für die weltweite Legalität einvernehmlicher Prostitution ein. Nur so sei vielen Frauen in diesem Sektor zu grundsätzlichen Rechten zu verhelfen.  Foto: dpaVerbotene Verlockung? Amnesty setzt sich für die weltweite Legalität einvernehmlicher Prostitution ein. Nur so sei vielen Frauen in diesem Sektor zu grundsätzlichen Rechten zu verhelfen. Foto: dpa

Osnabrück. Ausgerechnet Amnesty: Einige Frauen-Organisationen sind entsetzt, dass die Menschenrechtler die weltweite Entkriminalisierung aller Aspekte der einvernehmlichen Prostitution fordern. Aber soll Alice Schwarzer ruhig toben. Der Aufschrei entlarvt nicht Amnesty, sondern die Gegner.

In vielen Kapitänshäusern an der Nordsee stehen sie noch heute: Bemalte Porzellanhunde, die aus dem Fenster schauen. Sie stammen aus England, und das kam so: Als Prostitution in viktorianischer Zeit verboten war, boten die Damen des Gewerbes Souvenirs feil. Statt für den Sex direkt zu zahlen, kauften die Seeleute Kitsch und nahmen ihn mit. Besonders beliebt: die Hunde mit Löckchen.

Verbot verschlechtert die Lage

Prostitution untersagen zu wollen, führt zur Umgehung. Das illustriert die Überlieferung aus britischen Hafenstädten, das geschieht heute in Skandinavien, wo das Gewerbe verboten ist. Aber ist es wirklich besser, wenn sich die Damen und Herren privat per Flirt-App verabreden? Oder illegale Einrichtungen in ständig wechselnden Kellern mit schlechter Hygiene bestehen? Ohne Wissen der Behörden von den Etablissements und tätigen Frauen, ohne versicherungsrechtlichen Status, ohne Steuereinnahmen und ohne eine gewisse soziale Kontrolle des Umfelds?

Prüderie und verletzter Stolz

Wer die Branche nicht mit moralischer Empörung betrachtet, sondern sie als gegeben und Ausdruck der Rechte freier Menschen sieht, kann deshalb nur zu dem Schluss kommen, dass die Legalisierung einvernehmlicher Prostitution der bessere Weg ist, um Missständen zu begegnen. Dass Amnesty den Mut hat, sich mit seinem Plädoyer dafür den erwartbaren Protest einzuhandeln, verdient Anerkennung.

Vielleicht gerät ja der eine oder andere ins Nachdenken, ob ein universaler Reglementierungswunsch nicht eher aus Prüderie oder verletztem geschlechtlichen Stolz heraus rührt als aus dem Streben nach einem besseren Leben für Prostituierte.


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