Ein Bild von Nadine Grunewald
10.08.2015, 17:42 Uhr SCHLECHTER ZEITPUNKT

Die Lage in der Türkei eskaliert: Schlechter Zeitpunkt

Kommentar von Nadine Grunewald

Nach dem Bombenanschlag ist der Tatort, eine Polizeistation in Istanbul, abgesperrt. Foto: dpaNach dem Bombenanschlag ist der Tatort, eine Polizeistation in Istanbul, abgesperrt. Foto: dpa

Osnabrück. Nach neuen Anschlägen verschärft sich die Situation in der Türkei. Die Regierung um Erdogan muss einsehen, dass der Kampf gegen die Kurden nicht richtig ist. Ein Kommentar.

Die Lage in der Türkei wird immer brisanter: Bei mehreren Anschlägen sind erneut neun Menschen ums Leben gekommen. Waren es Linksradikale oder die Terrormiliz Islamischer Staat? Die türkische Regierung vermutet zumindest hinter einem der Attentate die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Fest steht: Die Zeit der Ruhe ist vorbei. Und: Die Eskalation des Konflikts zwischen der PKK und der Regierung von Recep Tayyip Erdogan seit dem Selbstmordanschlag der IS auf Kurden Ende Juli kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.

Gewalt kehrt zurück

Es ist noch nicht lange her, dass die Türkei und die PKK durch Friedensverhandlungen versucht haben, den Jahrzehnte alten Konflikt zu lösen. Jetzt, wo es darum geht, den IS zu bekämpfen, kehrt die Gewalt zwischen Erdogans Regierung und der PKK zurück. Das ist fatal. Denn wenn sich die beiden verfeindeten Parteien nur darauf konzentrieren, sich gegenseitig zu bekämpfen, könnte die Terrormiliz als lachender Sieger aus dem Streit hervorgehen. Schließlich sind die USA und ihre Verbündeten auf die kurdischen Milizen im türkisch-syrischen Grenzgebiet angewiesen, um den IS zurückzudrängen. Die Luftschläge der Alliierten reichen alleine nicht aus, um die Fanatiker zu schlagen. Dafür benötigt Washington Bodentruppen – sprich die kurdischen Kämpfer. Es wird Zeit, dass Erdogan das einsieht.


Der Artikel zum Kommentar