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09.08.2015, 17:13 Uhr zuletzt aktualisiert vor SPD VERZWEIFELT IM UMFRAGETIEF

Halbzeit der Großen Koalition: Bald mehr Ehekräche

Kommentar von Christof Haverkamp

Die Vorsitzenden der drei Koalitionspartner (von (links): Horst Seehofer (CSU), Angela Merkel (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD). Foto: dpaDie Vorsitzenden der drei Koalitionspartner (von (links): Horst Seehofer (CSU), Angela Merkel (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD). Foto: dpa

Osnabrück. Die Große Koalition hat die halbe Wahlperiode hinter sich gebracht und viele Themen des Koalitionsvertrages erledigt. Angela Merkel ist auf dem Zenit ihrer Macht – und die SPD verzweifelt. Deswegen wird sie angriffslustiger.

Eine Liebesheirat ist die Große Koalition nie gewesen, eine Vernunftehe schon. Verglichen mit dem turbulenten schwarz-gelben Bündnis zuvor, in dem die FDP durch Personalquerelen auffiel, wirkt das Zusammenspiel von CDU, SPD und CSU professionell. In der ersten Halbzeit hat Schwarz-Rot viel erreicht. Die Wähler sprühen nicht vor Begeisterung, sind aber nach den Umfragen generell zufrieden mit der Tätigkeit von Sigmar Gabriel, von Horst Seehofer und vor allem von Angela Merkel.

Die SPD allerdings wird nervös. Die leidige Kanzlerkandidaten-Diskussion und die Kritik der Parteilinken an Gabriel setzen ihr zu. Mehr noch die Werte in der Sonntagsfrage: Die Sozialdemokraten, im Selbstverständnis gerne Motor der Koalition, bleiben wie festgetackert bei 25 Prozent, weit entfernt vom Ziel 30 Prozent plus X. Kein Wunder, dass SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi auf Angriff umschaltet.

Gut möglich, dass auch die CSU aggressiver wird, zumal sie mit ihren Zielen – Betreuungsgeld und Maut – bisher vor die Wand gefahren ist. Am besten geht es noch der CDU, dank Angela Merkel und dem, was sie nicht macht: Weder wollen die Christdemokraten die Steuern noch die Schulden erhöhen.

Je mehr sich die Bundestagswahl 2017 nähert, desto stärker werden die Profilierungsversuche, desto rauher wird das Klima. Ehekräche sind programmiert, eine Scheidung denkbar. Aber es handelt sich bei der Koalition ja um eine Vernunftehe, nicht um eine Liebesheirat.

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