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07.08.2015, 18:30 Uhr BEWEGUNG IM UMGANG MIT MIGRANTEN

Asylbewerber aus dem Westbalkan: Neuer Pragmatismus

Kommentar von Christof Haverkamp

Manfred Schmidt, Chef des Bundesflüchtlings-Amtes, hält Aufnahmezentren für Asylbewerber vom Balkan für richtig. Foto: dpaManfred Schmidt, Chef des Bundesflüchtlings-Amtes, hält Aufnahmezentren für Asylbewerber vom Balkan für richtig. Foto: dpa

Osnabrück. Der Druck auf die Kommunen zur Unterbringung der Flüchtlinge nimmt zu. Daher kommt endlich Bewegung in der Diskussion um die Aufnahme von Asylbewerbern aus dem Westbalkan. Dieser neue Pragmatismus ist gut so.

Viele Kommunen fragen sich, wie sie alle Flüchtlinge im Winter menschenwürdig unterbringen können – und gleichzeitig beantragen Zehntausende aus dem Westbalkan Asyl, während die Anerkennungsquote bei weit unter einem Prozent liegt. Eine hohe Arbeitslosigkeit und ein Leben in bitterer Armut bringt diese Migranten dazu, ihre Behausungen zum Spottpreis zu verkaufen und sich auf den Weg ins vermeintliche Paradies Deutschland zu machen. Dort hoffen sie auf eine bessere Zukunft, oft genug angetrieben durch falsche Versprechungen von teuer bezahlten Schleppern.

Doch immer deutlicher zeigt sich: Die Asylbewerber aus dem Westbalkan konkurrieren mit jenen aus Bürgerkriegsländern wie Syrien und dem Irak. Jedem eine Heimat zu geben, ist nicht möglich. Die Menschen aus dem Westbalkan brauchen ehrliche Informationen über ihre Aufnahmechancen. Viel zu lange haben Politiker gezögert. Das war nicht hilfreich, aber verständlich: Niemand wollte sich vorwerfen lassen, Flüchtlinge in zwei Klassen einzuteilen.

Der massive Druck aufgrund steigender Asylbewerberzahlen bringt endlich Bewegung. Pragmatische Lösungen rücken näher: Manfred Schmidt vom Bundesflüchtlings-Amt warnt vor Verteufelung von Aufnahmezentren für Asylbewerber vom Balkan. Außenminister Frank-Walter Steinmeier will mehr sichere Herkunftsstaaten. Die SPD-Spitze möchte mit Arbeitsvisa den Weg nach Deutschland öffnen. Und das Bundesinnenministerium versucht, mit einem Aufklärungsvideo die Zahl der Asylbewerber vom Westbalkan zu senken. Die Politik ist endlich in der Wirklichkeit angekommen, und das ist gut so.


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