Präsidentschaftsanwärter im Duell TV-Debatte der Republikaner: Trump lässt es krachen

Von dpa


Cleveland. Viele dachten, Donald Trump würde vor der ersten TV-Debatte Kreide fressen. Von wegen. Er behauptet sogar, Politiker gekauft zu haben. Der Name Hillary Clinton fällt. Und: Er hält sich offen, ob er nicht als unabhängiger Kandidat antritt.

Die Debatte hat noch nicht richtig begonnen, da landet Donald Trump seinen Coup. Ohne mit der Wimper zu zucken, macht er klar, dass er nicht versprechen könnte, im Falle seiner Niederlage den künftigen republikanischen Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen. Auch wolle er nicht garantieren, in einem solchen Fall nicht als unabhängiger Kandidat anzutreten. „Ich werde dieses Versprechen zu diesem Zeitpunkt nicht abgeben.“ Im Klartext: Trump hält sich alle Türen offen – Parteiraison ist ihm so fremd wie rhetorische Zurückhaltung. (Weiterlesen: Wer ist eigentlich Donald Trump? Der Milliardär im Portrait)

„Ich sage, was ich sage“

Doch das ist nur der Auftakt. Wenige Minuten später landet der Multimilliardär seine zweite Salve. Diesmal will die Moderatorin ihn wegen frauenfeindlicher Äußerungen festnageln. Trump gibt sich nicht einmal die Mühe, darauf einzugehen. „Ich glaube, das große Problem, das dieses Land hat, ist die politische Korrektheit“. Bei ihm sei das aber anders. Und zwar ganz einfach: „Ich sage, was ich sage.“ (Weiterlesen: Präsidentschaftsbewerber Trump bei Republikanern vorn)

Wer gedacht hatte, der Baulöwe und Entertainer Trump werde nach seinen teilweise rüden Sprüchen bei der ersten Republikanerdebatte den Ball flach halten und sich staatsmännisch geben, hatte sich gründlich getäuscht. Trump ist einfach nicht zu fassen - Kritik gleitet an ihm ab wie an einer Teflonpfanne.

Neben dem Mann mit der Föhnfrisur wirken die anderen neun Bewerber zeitweise wie Statisten. Schon die Aufstellung auf der Bühne in Cleveland wirkt an diesem Donnerstagabend symbolisch: Trump steht in der Mitte - er ist nun mal der Mann, der in Umfragen haushoch führt.

Jeb Bush hat es schwer

Besonders schwer hat es Jeb Bush. Natürlich wird ihm wieder einmal die Frage nach der Familie gestellt. „Ich bin auf meinen Vater stolz und ich bin sicherlich auf meinen Bruder stolz.“ Dann zählt er etwas umständlich seine Bilanz als ehemaliger Gouverneur von Florida auf. Und er gesteht, dass er den Irakkrieg 2003 nicht begonnen hätte - es habe damals falsche Informationen der Geheimdienste gegeben. „Es war ein Fehler.“

„I’am my man“ - Ich bin mein eigener Mann, sagt Bush. Wirklich stark und überzeugend klingt das nicht. Wie oft er diese Fragen wohl noch in diesem Vorwahlkampf beantworten muss?

Trump: Habe Hillary Clinton bezahlt

Bush, der noch vor Wochen als Favorit gehandelt wurde, wird vom Baulöwen Trump, dessen Bewerbung die Medien noch vor Wochen belächelten, am stärksten gebeutelt. Ist es wahr, dass er Trump unlängst einen Trottel und einen Clown genannt habe, will der Moderator wissen? Nein, das stimme nicht. Reaktion Trump: „Er ist ein wahrer Gentleman“.

Ansonsten: Keine echte Überraschung, kein wirklich scharfer Streit, niemand unterläuft ein dicker Patzer. Wer Trump, das Enfant terrible, am stärksten angreift, ist der libertäre Senator Rand Paul. Er warf Trump vor, er kaufe sich Politiker aller Couleur. Reaktion Trump: Ja. Er habe schon vielen, die hier auf der Bühne stehen, Geld gegeben. Auch Hillary Clinton - deshalb sei die auch zu seiner Hochzeit erschienen.

Ted Cruz poltert gegen den Iran

Ansonsten: Ted Cruz, der Senator aus Texas und Mann der Tea-Party, will wie andere auch, den Iran-Atomdeal kippen. Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey, liefert sich ein kurzes Gefecht mit Paul über die NSA-Überwachung. Mike Hackabee, der Baptisten-Pastor, der bereits 2008 als Bewerber scheiterte, peilte die christlichen Wähler an - und forderte ganz nebenbei eine harte Gangart gegen Teheran. „Wenn Dir jemand eine Pistole an den Kopf hält, solltest Du das bei Gott lieber ernst nehmen“. Und ehemalige Neurochirurg Ben Carson, der einzige Afroamerikaner auf der Bühne, fürchtete schon, dass er gar nicht mehr zu Wort kommt. Sein Schlusswort: „Ich bin der einzige, der ein schon einmal ein halbes Gehirn entnommen hat.“ (Weiterlesen: US-Vorwahlkampf: Zehn Republikaner für TV-Debatte bestimmt)

Trump, der Egomane

Doch über allem schwebt die große Frage: Meint es Trump wirklich ernst? Strebt der Mann mit der elaborierten Föhnfrisur tatsächlich ins Weiße Haus? Oder genießt er nur die große Show - Trump, der Egomane, der die Kameras liebt?

Tatsächlich ist die von Trump nicht ausgeschlossene Möglichkeit einer unabhängiger Kandidatur eine akute Bedrohung für jeden Kandidaten. Er würde dann dem Republikaner - wer immer es sei - im November 2016 die notwendigen Stimmen wegnehmen. Trump als Steigbügelhalter für Hillary Clinton?

Viele denken da an Ross Perot, der 1992 als Unabhängiger ins Rennen ging. Das kostete dem Republikaner George Bush Senior damals die zweite Amtszeit - und brachte den Demokraten Bill Clinton ins Weiße Haus.


Die paar Minuten Redezeit in der TV-Debatte der Republikaner reichten für umfassende politische Statements kaum aus. Im Ansatz konnten die zehn Präsidentschaftskandidaten aber zeigen, wie sie die USA regieren würden. Einige Kernaussagen:

Unternehmer DONALD TRUMP will illegale Einwanderer ausweisen und an der südlichen Grenze mit Mexiko eine Mauer bauen. Anders als noch vor Jahren ist er heute gegen Abtreibung.

Floridas Ex-Gouverneur JEB BUSH setzt auf starkes Wachstum und Schaffung von Jobs. Die Terrormilizen in Syrien und im Irak sollten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft werden.

Wisconsins Gouverneur SCOTT WALKER will die südliche US-Grenze besser sichern und die Wirtschaft nicht zu stark regulieren. Die Ukraine will er mit mehr Soldaten in Osteuropa schützen und die Raketenabwehrsysteme in Polen und Tschechien wieder aufbauen.

Arkansas‘ Ex-Gouverneur MIKE HUCKABEE ist gegen Transgender in der Armee. Er will eine harte Gangart gegen den Irak - auch zum Schutz Israels. Er stellte das jüngste Ja des Supreme Courts zur Homo-Ehe infrage.

Ex-Neurochirurg BEN CARSON will das von Budgetkürzungen betroffene US-Militär wieder aufrüsten und würde als Präsident auch Waffen an die konfliktgeplagte Ukraine liefern. Die Kritik an Folterpraktiken bei Gefangengen bezeichnet er als „politische Korrektheit“.

Senatoren TED CRUZ aus Texas machte sich ebenfalls für Entschlossenheit im Kampf gegen die IS-Milizen stark. Washington müsse klarstellen, wer den IS unterstützt, „unterschreibt sein eigenes Todesurteil“. Der Atomdeal mit dem Iran muss weg.

Senator MARCO RUBIO will die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama kippen, ist gegen Abtreibung und für niedrigere Unternehmenssteuern. Er setzt sich für eine strikte Migrationspolitik ein und will illegale Einwanderer mit einem Tracking-System stoppen.

Kentuckys Senator RAND PAUL ist dagegen, dass sich die USA von China Geld borgen. Im Anti-Terrorkampf ist der Radikal-Liberale gegen staatliche Überwachung ohne richterlichen Beschluss.

New Jerseys Gouverneure CHRIS CHRISTIE will die Spionagepraxis des Geheimdienstes NSA ausweiten und das Militär vergrößern. In der Nahost-Politik will er Israel durch eine verstärkte Zusammenarbeit beim Thema Sicherheit noch mehr schützen.

Ohios Gouverneur JOHN KASICH gab sich moderat. Er will das Urteil des höchsten Gerichtes zur Schwulen-Ehe anerkennen. Und er verteidigte die Ausweitung der Gesundheitsfürsorge für die Armen. (dpa)