„Haltung zeigen“ Anja Reschke in den Tagesthemen: Mund aufmachen gegen Rassismus

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In den Tagesthemen forderte Anja Rescke in einem Kommentar die Zuschauer auf, klar Stellung gegen rassistische Kommentare zu beziehen. Foto: Screenshot/ARDIn den Tagesthemen forderte Anja Rescke in einem Kommentar die Zuschauer auf, klar Stellung gegen rassistische Kommentare zu beziehen. Foto: Screenshot/ARD

Osnabrück. Anja Reschke vom NDR hat am Mittwochabend in einem Kommentar in der Tagesthemen dazu aufgerufen, gegen rassistische Pöbeleien im Netz klar Stellung zu beziehen. Dafür bekam sie viel Lob im Netz. Die üblichen Pöbeleien gab es allerdings auch.

„Wenn ich jetzt hier öffentlich sage, Deutschland solle auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen, was glauben Sie, was dann passiert?“ Mit dieser Frage leitete Anja Reschke am Mittwoch ihren Kommentar in der Tagesschau ein. Eine Flut von Hasskommentaren wäre die Folge, so Reschke. „Bis vor Kurzem haben sich solche Kommentatoren noch hinter Pseudonymen versteckt. Aber mittlerweile wird sowas längst unter Klarnamen veröffentlicht. Anscheinend ist das nicht mal mehr peinlich“, sagte Reschke weiter. „Wenn man bis dahin ein kleiner rassistischer Niemand war, fühlt man sich da natürlich plötzlich ganz toll.“ (Weiterlesen: „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke ist in der ARD die Frau für alle Fälle)

Die Chefin der ARD-Sendung Panorama sagte, wenn es um die Hetze gegen Flüchtlinge gehe, bleibe es aber nicht nur bei Worten. Es folgten Taten: Anschläge auf Flüchtlingsheime und mehr. „Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun, dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen“, sagte Reschke weiter.

„Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kund tun. Dagegen halten. Mund aufmachen. Haltung zeigen“, so Panorama-Chefin Anja Reschke in Ihrem Tagesthemen-Kommentar zur Hetze im Internet.

Posted by tagesschau on Mittwoch, 5. August 2015

Reschke appellierte, es nicht den Strafverfolgungsbehörden zu überlassen, gegen Hetzer vorzugehen, sondern selbst aktiv zu werden und klar Stellung gegen Rassismus zu beziehen. „Die Hassschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun.“

Bereits zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hatte Anja Reschke in einem Kommentar klar Stellung bezogen und sich gegen die Schlussstrich-Mentalität vieler Deutscher gewandt: „Dieser Teil unserer Geschichte ist in seiner Abartigkeit so einzigartig, dass er gar nicht vergessen werden kann.“ Es gebe keinen Schlussstrich.

Alleine auf der Facebookseite von Panorama wurde der Kommentar vom Mittwoch bis zum Donnerstagmorgen fast 50.000 Mal geteilt und über 2.000 Mal kommentiert. Viele Kommentare waren positiv, aber es waren auch die üblichen Pöbeleien darunter. Auch auf Twitter fand der Kommentar Widerhall.

Irrtümlich hatte es in diesem Artikel zunächst geheißen, Anja Reschke habe den Kommentar in der Tagesschau gesprochen. Der Kommentar stammt aber aus den Tagesthemen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.


Der Kommetar von Anja Reschke im Wortlaut: „Wenn ich mich jetzt hier hinstelle und öffentlich sage: Ich finde, Deutschland soll auch Wirtschaftsflüchtlinge aufnehmen – was glauben Sie, was dann passiert? Es ist nur eine Meinung, die darf man äußern. Schön wäre also, wenn darüber sachlich diskutiert würde. Aber so würde es nicht laufen. Ich bekäme eine Flut von Hasskommentaren. ‚Scheiß Kanacken, wie viel wollen wir noch aufnehmen, sollen abhauen, soll man anzünden ...‘, all sowas halt. Wie üblich.

Bis vor Kurzem haben sich solche Kommentatoren noch hinter Pseudonymen versteckt. Aber mittlerweile wird sowas längst unter Klarnamen veröffentlicht. Anscheinend ist das nicht mal mehr peinlich. Im Gegenteil, auf Sätze wie ‚Dreckspack, soll im Meer ersaufen‘ bekommen sie ja auch noch begeisterten Zuspruch und eine Menge Likes. Wenn man bis dahin ein kleiner rassistischer Niemand war, fühlt man sich da natürlich plötzlich ganz toll.

Jetzt kann man sagen: ‚Ja gut, Idioten gibt es immer – am besten ignorieren.‘ Aber es sind ja eben nicht nur Worte. Sondern es gibt sie ja schon – die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Hasstiraden im Internet haben ja längst gruppendynamische Prozesse ausgelöst. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen.

So kann es nicht weitergehen. Nun ist die eine Möglichkeit Strafverfolgung – das wird auch zunehmend gemacht. Ein Facebook Hetzer aus Bayern wurde gerade zu einer Geldstrafe wegen Volksverhetzung verurteilt. Das zeigt schon mal Wirkung.

Aber das alleine reicht nicht. Die Hassschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun.

Dagegen halten, Mund aufmachen. Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen: Einige sehr verdienstvolle Blogs tun das schon. Aber es sind noch zu wenige. Der letzte Aufstand der Anständigen ist 15 Jahre her. Ich glaube, es ist mal wieder Zeit. Und: Ich freue mich schon jetzt auf die Kommentare zu diesem Kommentar.“

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