VCD und ADFC: Engagement unzureichend Nationaler Radverkehrsplan sieht 15 Prozent vor

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Von diesem Bild ist der Nationale Radverkehrsplan 2020 noch weit entfernt. Er sieht vor, bis 2020 15 Prozent der Verkehrsteilnehmer auf das Rad zu bringen. Bislang sind es zehn Prozent. Foto: dpaVon diesem Bild ist der Nationale Radverkehrsplan 2020 noch weit entfernt. Er sieht vor, bis 2020 15 Prozent der Verkehrsteilnehmer auf das Rad zu bringen. Bislang sind es zehn Prozent. Foto: dpa

Osnabrück. Zehn Prozent der Wege legen die Deutschen dem Bundesverkehrsministerium zufolge mit dem Rad zurück. Dabei verfügen mehr als 81 Prozent der Haushalte über mindestens ein Rad. Der Nationale Radverkehrsplan 2020 (NRVP) des Bundes hat das Ziel, den Anteil der Radfahrer im Verkehr bis 2020 auf 15 Prozent zu erhöhen.

In den Niederlanden beträgt er 31 Prozent, in Dänemark 19. In Münster sind es 38 Prozent.

Drei Millionen Euro jährlich hält der NRVP zur Förderung des Radverkehrs bereit. Investive Maßnahmen sieht er vor. Mit dem Geld unterstützt die Regierung Sicherheitskampagnen und Aktionen wie „Mit dem Rad zur Arbeit“. Bis Anfang August konnten Initiativen und Kommunen Projektgelder für 2016 beantragen. Themenschwerpunkte sind dann Elektromobilität sowie Rad und Raum.

Doch der NRVP versteht sich nicht nur als Mittel zur Beantwortung von Mobilitätsfragen. Er definiert gesamtgesellschaftliche Ziele. Der Radverkehr leiste einen Beitrag zur Begrenzung der Treibhausgase, des Feinstaubs, des Verkehrslärms und der Versiegelung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Das erhöhe die Lebensqualität und Attraktivität in Städten.Zudem leiste Radfahren einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit. „Eine sichere, bedarfsgerechte und komfortable Radverkehrsinfrastruktur ist die wichtigste Grundlage für die Förderung des Radverkehrs“, steht im NRVP. „Ohne sie ist kein nennenswerter Radverkehrsanteil zu erreichen“, heißt es darin weiter.

ADFC: Engagement reicht nicht aus

Dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) geht das Engagement nicht weit genug. Der NRVP und die für das Haushaltsjahr 2015 89,2 Millionen Euro zum Erhalt und Ausbau der Radwege an Bundesstraßen seien bei Weitem nicht ausreichend, um den Radanteil auf 15 Prozent zu erhöhen. Stattdessen fordert der Lobbyverband Bundesmittel in Höhe von 400 Millionen Euro: 350 Millionen Euro für Erhalt und Neubau von Radwegen an Bundesstraßen und 50 Millionen Euro für Modellprojekte wie Radschnellwege. Denn solche Projekte können viele Kommunen nicht aus eigener Kraft stemmen.

Auch VCD kritisiert Engagement

Auch der ökologische Verkehrsclub (VCD) fordert, der Bund müsse rund 400 Millionen Euro zur Erhöhung des Radverkehrs investieren und kritisiert das Engagement der Regierung als unzureichend. Der Bund nutze seine Gestaltungsmöglichkeiten bei Weitem nicht aus und beschränke sich auf Empfehlungen. „Die Menschen wollen mehr Rad fahren, aber die Voraussetzungen dafür sind an vielen Stellen schlecht“, sagt Wasilis von Rauch, Mitglied im VCD-Bundesvorstand. „Hier muss der Bund deutlich mehr tun.“

VCD fordert Tempo 30

Es sei zwar zu begrüßen, dass der Bund einen fachlich fundierten NRVP ins Leben gerufen habe, „aber zu Erhöhung des Radverkehrs muss der Bund eine wesentlich aktivere Rolle übernehmen.“ So müsse die Regierung die Möglichkeit, Tempo 30 in Städten als Regelgeschwindigkeit zu setzen, in der Straßenverkehrsordnung verankern, „weil es fatal ist, wenn die Geschwindigkeitsunterschiede so groß sind“, sagt von Rauch – insbesondere bei Radstreifen auf der Fahrbahn. Ferner solle der Bund mehr Trends und Pilotprojekte fördern, etwa Analysen zu Radschnellwegen und zur E-Mobilität. „In diesem Bereich fördert der Bund Projekte von Porsche und BMW – warum nicht auch Mittelstandsunternehmen, die E-Lastenräder für DHL entwickeln könnten?“

NRVP fachlich fundiert

Trotz der Kritik begrüßt der VCD den NRVP. „Das ist ein Papier mit hoher, fachlicher Qualität“, sagt von Rauch. „Wenn er noch ein paar verbindliche Zahlen beinhalten würde, wäre es perfekt.“ So gibt der NRVP Hinweise, wie viel Geld Kommunen in die Hand nehmen sollten, um den Radverkehr zu steigern. „Der Bund gibt selbst aber nur rund einen Euro pro Kopf aus, das ist viel zu wenig, um mit gutem Beispiel voranzugehen.“

Eine beim Bundesverkehrsministerium angefragte Stellungnahme zu der Kritik blieb unbeantwortet.

Auch einige Kommunen haben eigene Radverkehrspläne, die festlegen, wie der Radverkehr in den kommenden Jahren aussehen soll. So arbeitet die Stadt Osnabrück derzeit an ihrem zweiten Radverkehrsplan, der für die kommenden zehn Jahre gelten soll.
Der Nationale Radverkehrsplan ist der zweite seiner Art. Der erste lief von 2002 bis 2012. 2013 verabschiedete der Bundestag den NRVP 2020.


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