„Zynisches Ablenkungsmanöver“ Milch in den Iran? Grüne kritisieren Exportpläne

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Blick in einen Kuhstall: Aufgrund der niedrigen Abnehmerpreise lohnt sich die Produktion für Landwirte derzeit kaum. Foto: dpaBlick in einen Kuhstall: Aufgrund der niedrigen Abnehmerpreise lohnt sich die Produktion für Landwirte derzeit kaum. Foto: dpa

Osnabrück. Angesichts der Milchpreiskrise in Europa will Agrarminister Christian Schmidt (CSU) den Nahen Osten und auch den Iran als Exportmarkt in den Blick nehmen. Für die Grünen im Bundestag ist das ein „zynisches Ablenkungsmanöver“.

Die Grünen kritisieren die Äußerungen von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) zum möglichen Milchexport in den Iran scharf. „Solche Verweise auf angebliche Zukunftsmärkte sind nichts als zynische Ablenkungsmanöver. Sie helfen keinem einzigen Milchviehbetrieb“, sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen Friedrich Ostendorff unserer Redaktion. „Es ist absurd, jetzt auf den Iran mit seinen Ajatollahs zu hoffen, dass sie den Milchbetrieben die Zukunft sichern“, so Ostendorff weiter. (Weiterlesen: Mehr Export soll deutschen Milchbauern helfen)

Ostendorff fordert Milchgipfel

Er fordert Agrarminister Schmidt auf, einen Milchgipfel einzuberufen. „Notwendig ist aktives Handeln der Bundesregierung, um die überlaufende Milchmenge am Markt zu drosseln.“ Mit Exportversprechen in den Iran mache sich der Minister „persönlich unglaubwürdig“, sagte Ostendorff.

Preis auf 28 Cent abgerutscht

In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ hatte CSU-Politiker Schmidt angesichts der Milchmarktkrise in Europa den Nahen Osten als neuen Exportmarkt ins Spiel gebracht. Dabei werde er auch die Lage im Iran genau beobachten. Laut Deutschem Bauernverband sind die Erzeugerpreise für Milch von 40 Cent je Liter im Januar 2014 auf unter 28 Cent im Juli 2015 abgestürzt. Viele Betriebe seien in der Existenz bedroht, heißt es. Als ursächlich gilt laut Verband das Russland-Embargo europäischer Agrarprodukte. Dadurch balle sich mehr Milch auf dem EU-Markt. Neben den Grünen bewertet auch der Bund deutscher Milchviehhalter (BDM) die Exportpläne der Bundesregierung kritisch. „Wir sind für Export, aber nicht zu Schleuderpreisen“, sagte ein BDM-Sprecher. Dies sei die Strategie der Bundesregierung in den vergangenen Jahren gewesen, sei aber nicht aufgegangen.

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