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Tausende verlassen das Land „Frustration und Wut“: Spaniens Jugend ohne Zukunft

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Wo bleibt die Hoffnung? Junge Demonstranten protestieren in Spanien gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Foto: dpaWo bleibt die Hoffnung? Junge Demonstranten protestieren in Spanien gegen die Jugendarbeitslosigkeit. Foto: dpa

ze Madrid. „Wir müssen zwischen Arbeitslosigkeit, Unsicherheit oder Exil wählen“, beschreibt die spanische Studentin Ema Zelikovitch die Lage vieler junger Leute in Spanien, die nach ihrer Ausbildung auf der Straße stehen. „Das Schlimmste an dieser Situation der jungen Generation sind jene Verzweiflung und Enttäuschung“, die aufkommen, wenn das Studium abgeschlossen sei, sich ein großes Loch auftue und anscheinend alle Mühe umsonst war.

Jeder zweite arbeitsfähige Spanier unter 25 Jahren steht ohne Job auf der Straße – eine soziale Katastrophe. Nur in Griechenland sieht es noch schlimmer aus. Hunderttausende junge Menschen haben inzwischen , mangels Hoffnung und Perspektiven, die Koffer gepackt und dem Königreich der Arbeitslosigkeit den Rücken gekehrt.

Keine andere Wahl

„Wir gehen nicht, sondern sie werfen uns raus“, lautet der Protestruf der Bürgerinitiative „Juventud sin Futuro“ (Jugend ohne Zukunft). Viele junge Leute müssen gezwungenermaßen in die Welt ziehen, „weil sie keine andere Wahl haben“, beklagt diese Selbsthilfegruppe. Die Emigration Richtung Deutschland, England oder Lateinamerika biete zumindest „eine Chance, sich den Lebensunterhalt zu verdienen, was in Spanien nicht möglich ist“.

Das Drama der verlorenen jungen Generation liefert sogar Stoff für einen erfolgreichen Kinofilm. Die spanische Komödie „Perdiendo el norte“ (Die Orientierung verlieren) erzählt eine Geschichte, wie sie sich südlich der Pyrenäen tausendfach abspielt: Zwei gut ausgebildete Jungakademiker, ein Wissenschaftler und ein Volkswirt, verlassen Spanien Richtung Berlin, um dort ihr Glück zu suchen. Freilich ziemlich blauäugig und ohne Deutschkenntnisse, was nicht untypisch ist und die Jobsuche ziemlich erschwert.

„Generation Null“

In Spanien werden diese Verzweifelten „Generation Null“ genannt, weil sie keine Einnahmen, keine Arbeitschancen und keine Hoffnung haben. Dazu gehört die 25-jährige Patricia Ceballos, die über sich selbst sagt: „Ich bin eine der vielen Krankenschwestern, die gezwungen waren, Spanien zu verlassen, um in England eine würdige Arbeit zu finden.“

Sie würde nach fast zwei Jahren fern der Heimat gerne zurückkommen, aber das sei bei den „elenden Bedingungen“ zu Hause nicht möglich. So gehe es vielen – „und das lässt bei uns allen Frustration und Wut aufkommen“.

Kleiner Hoffnungsschimmer

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber: Die Jugendarbeitslosigkeit ist erstmals seit Jahren wieder knapp unter die 50-Prozent-Marke gefallen. Laut Eurostat betrug die Beschäftigungslosigkeit bei der aktiven Bevölkerung unter 25 Jahren zuletzt rund 49 Prozent – 2013 waren es noch 57 Prozent.

Spaniens konservativer Regierungschef Mariano Rajoy, der angesichts seines Popularitätstiefs händeringend nach guten Nachrichten sucht, nennt diese leichte Verbesserung eine „exzellente“ Entwicklung und träumt schon vom Ende der spanischen Beschäftigungskrise. Zumal auch die generelle Arbeitslosigkeit langsam abnimmt und nun bei 22 Prozent statt wie früher bei 26 Prozent liegt – immer noch mehr als doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt.

Unsichere Saisonjobs

Glücklicherweise sprang der jahrelang stotternde Wirtschaftsmotor wieder an, vor allem dank des boomenden Urlaubsgeschäfts im Sonnenland. Die meisten neuen Jobs werden im Tourismus und Handel geschaffen und sind keine stabilen Arbeitsplätze, sondern unsichere Saisonjobs. Junge Ingenieure, Naturwissenschaftler oder Lehrerinnen, die sich mangels qualifizierter Angebote als Kellner, Küchenhilfe oder Verkäuferin verdingen, sind allerorten zu finden.

Millionenschwere Beschäftigungsprogramme, die von der EU unterstützt werden, sollen nun beim Jobaufschwung helfen: So gibt es finanzielle Anreize für Arbeitgeber, die Jugendlichen eine Zukunft bieten. Startups werden vom Staat angeschoben: Junge Beschäftigungslose, die sich als Firmengründer versuchen, können ihr Arbeitslosengeld auf einen Schlag kassieren und so in die neue Existenz investieren.

Billige Zeitkräfte werden eingestellt

Zudem wurden Tarifverträge und Kündigungsschutz aufgeweicht. Das nutzen viele Arbeitgeber, um billige Zeitkräfte einzustellen, die sie von heute auf morgen feuern können. Aus den „Mileuristas“, jenen rund 50 Prozent der spanischen Arbeitnehmer, die nur 1000 Euro brutto im Monat verdienen, wird zunehmend die Schicht der „Ni-Mileuristas“, die deutlich weniger als 1000 Euro verdienen: Ein Drittel aller Beschäftigten muss sich inzwischen mit dem Mindestlohn von 649 Euro begnügen – bei den bis zu 25-Jährigen sind es gar 75 Prozent, die sich mit diesem Mini-Lohn abfinden müssen.

Kein schnelles Ende des Jobdramas erwartet

Deswegen glaubt der 29 Jahre alte Alberto Garzón, der als Spaniens jüngster Parlamentsabgeordneter die Probleme der Jugend gut kennt, auch nicht an ein schnelles Ende des spanischen Jobdramas. Der leichte Aufschwung am Arbeitsmarkt, meint der Sprecher der Oppositionspartei „Vereinigte Linke“, sei vor allem der Schaffung prekärer Beschäftigungsverhältnisse zuzuschreiben, „von denen die Mehrheit nicht würdig leben kann“.


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