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02.08.2015, 17:03 Uhr KOMMENTAR ZUR CANNABIS-DEBATTE

Parteien müssen sich positionieren

Kommentar von Christian Lang

Gefährliche Droge oder harmloses Genussmittel? Die Legalisierung von Cannabis ist eine Frage, die polarisiert. Foto: dpaGefährliche Droge oder harmloses Genussmittel? Die Legalisierung von Cannabis ist eine Frage, die polarisiert. Foto: dpa

Osnabrück. Die Debatte um die Legalisierung von Cannabis ist wahrlich nicht neu. Seit Jahren bringen Befürworter wie Gegner stets die gleichen Argumente vor, um ihre Positionen zu untermauern.

Auch die Studien, die von beiden Seiten regelmäßig bemüht werden, haben bislang keine Klarheit gebracht. Bei der Unvereinbarkeit der Positionen scheint ein Mittelweg gerade zu utopisch. Ob gefährliche Einstiegsdroge oder harmloses Genussmittel – letztlich bleibt es auch eine Frage der Einstellung.

Der Bremer Vorstoß dürfte der an sich ausgelutschten Debatte aber neuen Schwung verleihen – vor allem auch im Hinblick auf die Bundestagswahl in zwei Jahren. Neben Steuerfragen oder den außenpolitischen Zielsetzungen der Parteien könnte auch deren Einstellung zur Cannabis-Legalisierung eine Rolle spielen.

Häufig hat man die Klagen von Medien und Abgeordneten gehört, junge Menschen interessieren sich nicht mehr für die Politik. Womöglich ist Cannabis das Aufregerthema, das Erstwähler an die Wahlurnen strömen lässt. Die Parteien werden sich deshalb klar positionieren müssen . Denn klar ist: Der Gebrauch von Cannabis gilt zwar als gesundheitsgefährdend, er ist in der Gesellschaft aber präsent. Und das schichtenübergreifend. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Kiffer als eine vernachlässigende Randerscheinung oder als soziale Versager abgetan werden konnten.

Das Mobilisierungspotential für die Politik ist demnach enorm. Neben den Grünen und den Linken spricht sich mittlerweile ebenfalls die FDP für die Legalisierung aus. Treten auch die in der Frage bislang noch gespaltenen Sozialdemokraten in diese Riege ein, stünde die CDU als Gegner alleine da. Selbst bei den Christdemokraten gibt es zahlreiche Abweichler. Kanzlerin Merkel ist da nicht zu beneiden. Sie muss in der Frage etwas machen, was ihr schon so häufig abgesprochen wurde: Flagge zeigen. Und damit entweder konservative Ideale aufgeben oder sich den Vorwurf der Weltfremdheit anhören müssen.