Warnung vor Ängsten Migrationsforscher:Die Welt steht nicht vor der Tür

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Der Forscher Jochen Oltmer, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück, legte eine  Studie über den Zusammenhang von Migration und Entwicklung vor. Foto: Soeren Stache/dpaDer Forscher Jochen Oltmer, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück, legte eine Studie über den Zusammenhang von Migration und Entwicklung vor. Foto: Soeren Stache/dpa

Berlin. Der Osnabrücker Migrationsforscher Jochen Oltmer hat den Innenministern der Länder fehlende Strategie in der Flüchtlingspolitik vorgeworfen. „Die Minister diskutieren nur über kurzfristig wirkende Instrumente, nicht aber über Ziele“, sagte Oltmer gestern in Berlin auf einer Veranstaltung der Hilfsorganisationen terre des hommes und Welthungerhilfe.

Oltmers räumte auch mit Ängsten und Vorurteilen auf, wonach Europa von Flüchtlingen überschwemmt werde und eine Armutsmigration aus Afrika drohe. „Die Welt steht nicht vor der deutschen Tür“, erklärte der Wissenschaftler bei der Vorstellung einer Studie über die Zusammenhänge zwischen Migration und Entwicklung.

Der Forscher verwies auf UN-Angaben, wonach es derzeit mehr als 230 Millionen Migranten weltweit gibt. Rund 60 Millionen seien wegen Krieg und Gewalt auf der Flucht, vor allem Menschen aus Syrien, dem Irak, der Zentralafrikanischen Republik und dem Südsudan. Die meisten – 38,2 Millionen – sind Vertriebene in der eigenen Heimat. Die übrigen 21,3 Millionen sind ins Ausland geflohen, und zwar vor allem in die Nachbarländer. „Zwischen den Kontinenten gibt es sehr geringe Bewegung“, betonte der Professor. Der schlichte Grund sei, dass Armut Migration behindere oder sogar verhindere.

Die Länder des industrialisierten Nordens haben nach den Worten von Oltmers „relativ wenige“ Flüchtlinge aufgenommen: insgesamt 14 Prozent. 86 Prozent blieben in den Ländern des „globalen Südens“. 2003 habe das Verhältnis noch bei 30 zu 70 Prozent gelegen. Migration sollte daher nicht als Bedrohung, sondern als Chance für den alternden Kontinent Europa betrachtet werden. Im „globalen Norden“ dürfte es zunehmend schwieriger werden, Arbeitsmigranten zu finden, sagte Oltmers. Er beanstandete einen Mangel an Forschung beim Flüchtlingsthema: „Über Tütensuppen wird deutlich mehr geforscht als über Migration“, beklagte der Experte. Das Kinderhilfswerk terre des hommes und die Welthungerhilfe fordern, dass die Entwicklungspolitik der reichen Staaten mehr zur Krisenprävention beitragen müsse. Allerdings müssten dafür auch andere Ressorts, wie etwa die Außenpolitik, Verantwortung übernehmen und Fluchtursachen bekämpfen .


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