Rechtsextreme erstellen Übersicht Protest gegen Google-Karte mit Flüchtlingsheimen

Im sächsischen Freital haben Ende Juni tagelang Asyl-Kritiker vor einer Flüchtlingsunterkunft demonstriert. Bei Google Maps gibt es eine Karte, auf alle Unterkünfte in Deutschland markiert werden sollen - dagegen regt sich nun Protest von anderer Seite. Foto: dpaIm sächsischen Freital haben Ende Juni tagelang Asyl-Kritiker vor einer Flüchtlingsunterkunft demonstriert. Bei Google Maps gibt es eine Karte, auf alle Unterkünfte in Deutschland markiert werden sollen - dagegen regt sich nun Protest von anderer Seite. Foto: dpa

Osnabrück. Im Netz regt sich Protest gegen eine Google-Karte, in der alle Flüchtlingsheime in der Republik markiert sind. Initiator ist die rechtsextreme Organisation „Der Dritte Weg“. Dagegen macht nun das Netzwerk „Netzfrauen“ mobil - und fordert Internetnutzer auf, die Karte bei Google zu melden.

Schon einige Zeit scheint die Karte mit den Standorten der Flüchtlingsheime in Deutschland online zu stehen - mit dem Slogan „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“. Jetzt regt sich Widerstand: Das Netzwerk „Netzfrauen“ liefert auf seinem Facebook - und Twitter-Profil die Anleitung, wie man die Karte bei Google melden kann - als unangemessenen Inhalt, der „zu Hass aufruft oder gewalttätig“ ist. Auch der Blogger Alexander Schnapper teilt diesen Hinweis auf seiner Seite. (Weiterlesen: Google löscht umstrittene Online-Karte)

Immer mehr Anschläge auf Flüchtlingsheime

„Diese Karte ist unangemessen und gehört nicht auf GoogleMaps“, argumentieren die „Netzfrauen“. Die Initiatoren würden damit „nichts Gutes bezwecken“, heißt es mit Verweis auf die Angriffe auf Asylbewerberheime in den vergangenen Wochen und Monaten. So brannte es im Mai in einer im Bau befindlichen Unterkunft im rheinland-pfälzischen Limburgerhof, in Tröglitz brannte im April der Dachstuhl einer geplanten Flüchtlingsunterkunft aus . Und auch am vergangenen Wochenende (11./12. Juli) hatte es einen schwerwiegenden Angriff gegeben: Auf ein Hotel in Böhlen bei Leipzig, in dem Flüchtlinge untergebracht sind, wurden in zwei Nächten Schüsse abgefeuert.

Tatsächlich registrieren auch die Behörden einen kontinuierlichen Anstieg solcher Übergriffe. Allein im ersten Halbjahr 2015 hatte es 150 Fälle gegeben, gab Bundesinnenminister Thomas de Maizière Ende Juni bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes bekannt. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2014 waren es 170, im Jahr zuvor nur 55.

Unter dem Post der „Netzfrauen“ wurde jedoch kontrovers diskutiert, ob eine Karte mit den Standorten wirklich verwerflich sei. Solche Übersichten seien auch an anderen Stellen im Netz zu finden, argumentierten manche; anderen sehen die Informationsfreiheit in Gefahr. Die Netzfrauen jedenfalls nahmen am Mittwochnachmittag (15. Juli) telefonisch direkt Kontakt zu Google Deutschland auf, mit der Bitte um Löschung. Eine Reaktion des Internet-Riesen steht aber noch aus.

Offener Rechtsextremismus beim „Dritten Weg“

Unstrittig ist der rechtsextreme Hintergrund des „Dritten Weg“. Die Kleinstpartei wurde vor drei Jahren gegründet - nach Meinung von Experten, um die Aktivitäten rechtsextremer Kameradschaften zu bündeln und deren Verbot zu umgehen. Dass es sich beim „Dritten Weg“ um eine Neonazi-Organisation handelt, ist aus dem Zehn-Punkte-Programm auf der Homepage unmissverständlich herauszulesen: Man wolle die „friedliche Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“ erreichen, zudem wolle man „die Überfremdung Deutschlands und den anhaltenden Asylmißbrauch“ (sic) stoppen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN