Lob für hilfsbereite Bevölkerung UN: Flüchtlingszahlen überfordern Griechenland

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Viele Flüchtlinge sind in diesem Jahr nach Griechenland gekommen. Das Land ist mit dieser Situation überfordert, findet die Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Laura Padoan. Foto: dpaViele Flüchtlinge sind in diesem Jahr nach Griechenland gekommen. Das Land ist mit dieser Situation überfordert, findet die Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Laura Padoan. Foto: dpa

epd Genf/Brüssel. Im krisengeschüttelten Griechenland verschärft sich die Lage für Flüchtlinge. Rund 78000 Männer, Frauen und Kinder hätten seit Januar das Land erreicht, sagte die Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Laura Padoan.

Damit seien in der ersten Jahreshälfte in Griechenland mehr als sechs mal so viele Menschen angekommen wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das von der Staatspleite bedrohte Land könne die steigende Zahl von Migranten nicht mehr bewältigen. Amnesty International berichtete von großer Solidarität der Griechen mit den notleidenden Flüchtlingen.

Zu Fuß in sengender Hitze

Padoan zufolge kommen täglich rund 600 Bootsflüchtlinge auf den griechischen Inseln an, die Hälfte von ihnen auf Lesbos. Nach der Ankunft auf Lesbos müssten sie rund drei Tage zu Fuß in sengender Hitze zu einem Registrierungs-Zentrum in Moria gehen, sagte die UNHCR-Mitarbeiterin.

Laut griechischem Recht sei der Transport von nichtregistrierten Flüchtlingen verboten. In einem Camp auf Lesbos warteten derzeit rund 5000 Flüchtlinge auf Papiere, damit sie auf das griechische Festland und in andere EU-Länder weiterreisen können.

Mangel an Medikamenten

In dem überfüllten Lager herrsche akuter Mangel an Medikamenten und sanitären Einrichtungen, berichtete die UNHCR-Sprecherin. Viele Flüchtlinge seien krank und benötigten Hilfe. „Es treten auch Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser auf“, fügte Padoan hinzu. Griechenland sei das europäische Mittelmeerland, in dem 2015 bislang die meisten Bootsflüchtlinge registriert worden seien.

Enorme Hilfsbereitschaft

Trotz eigener Geldprobleme versuchten viele Griechen, den Flüchtlingen zu helfen. „Gerade auf den Inseln in der Ägäis ist die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung enorm“, berichtete Lia Gogou, Griechenland-Expertin von Amnesty International. „Die Inselbewohner kaufen Medikamente und andere Hilfsgüter. Sie tun das, was die Behörden nicht schaffen.“ Auch viele Touristen versuchten, den Flüchtlingen zu Hilfe zu kommen, sagte Gogou.

Unerträgliche Bedingungen in Haftzentren

Nach Angaben von Amnesty kam der größte Teil der Menschen in Booten über das Ägäische Meer, weil die Landgrenze zur Türkei weitgehend abgeriegelt ist. Allerdings gibt es auf den ägäischen Inseln nur zwei Erstaufnahme-Einrichtungen, die hoffnungslos überfüllt sind. Ein Teil der Menschen ist daher in Haftzentren untergebracht, in denen laut einer Amnesty-Studie unerträgliche Bedingungen herrschen: „Überfließende Toiletten, schmutzige Matratzen, zu wenig Betten, Stromausfälle“. Es sei zu befürchten, dass die Probleme noch weiter zunähmen, sagte Gogou. (Weiterlesen: Griechenland-Krise: Was sind die nächsten Termine?)

Appell an EU-Länder

Die Expertin appellierte an die EU-Länder, legale Einreisewege für Flüchtlinge zu schaffen, damit die Menschen gar nicht erst irregulär über Griechenland kommen müssten. Sehr wichtig sei es auch, dass die EU ihre finanzielle und technische Hilfe für Außengrenzländer aufstocke, um die Unterkünfte und die Versorgung der Flüchtlinge zu verbessern.


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