zuletzt aktualisiert vor

Bundesparteitag: Bernd Lucke düpiert Rechtsruck: AfD wählt Frauke Petry zur ersten Vorsitzenden

Frauke Petry setzt sich gegen Bernd Lucke durch und wird mit großer Mehrheit zur ersten Bundesvorsitzenden gewählt. Foto: dpaFrauke Petry setzt sich gegen Bernd Lucke durch und wird mit großer Mehrheit zur ersten Bundesvorsitzenden gewählt. Foto: dpa

Essen. Jetzt ist es raus: Die AfD vollzieht offiziell einen Rechtsruck, Frauke Petry setzt sich gegen Bernd Lucke durch und wird mit großer Mehrheit zur ersten Bundesvorsitzenden gewählt.

Von 3412 gültigen abgegebenen Stimmen entfielen auf dem außerordentlichen Parteitag in der Grugahalle in Essen 2047 Stimmen (60 Prozent) auf die national-konservative Chemikerin aus Sachsen. Konkurrent Bernd Lucke, der dem wirtschaftsliberalen Lager der Alternative für Deutschland vorsteht, konnte die Basis offenbar nicht genügend mobilisieren. Er erreichte 1301 Stimmen (38,1 Prozent).

Der Rest entfiel auf die unbekannteren anderen Kandidaten, denen vorab keine Chancen eingeräumt worden waren. Es gab vier Enthaltungen.

Damit setzt sich das rechts-konservative Lager um Petry, den brandenburgischen AfD-Chef Alexander Gauland sowie den NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell durch. Unter Jubel nahm Petry die Wahl an.

Und Lucke?

Das Ergebnis ist eine herbe Niederlage für AfD-Gründer Lucke. Ob er nach der Wahlniederlage in der AfD verbleibt, ist offen. Es wird wird vermutet, dass er die Partei verlässt und mit seinen Mitstreitern des innerparteilichen Vereins „Weckruf 2015“ eine neue gründet. Dazu wolle er sich nicht unmittelbar nach der Wahl äußern, sagte Lucke.

In der gerade mal zwei Jahre alten Partei hat seit Monaten ein Streit zwischen dem national-konservativen Flügel um Petry und dem wirtschaftsliberalen Lager um Lucke getobt. Mit der Wahl Petrys zur ersten Bundesvorsitzenden entscheidet sie den Streit für sich.

Luckes Niederlage sei jedoch „kein Sieg über die Liberalen“, betonte die neue Vorsitzende Petry, vielmehr wolle sie beide Flügel einen.

Nun hat die AfD auch ihren zweiten neuen Vorsitzenden: Mit 62 Prozent der Stimmen setzte sich Jörg Meuthen, stellvertretender AfD-Landesvorsitzender von Baden-Württemberg, gegen vier Gegenkandidaten durch. Paul Hampel, Vorsitzender des niedersächsischen Landesverbandes der Alternative für Deutschland, erreichte mit 29 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg.

Eine Kandidatenflut

Am Sonntagmorgen um 9 Uhr geht es weiter mit dem Parteitag in Essen. Dann folgen die Wahlen der restlichen Vorstandsmitglieder. Schon jetzt zeichnet sich eine wahre Kandidatenflut ab. Auch die noch ausstehende Wahl des Bundesschatzmeisters könnte turbulent werden. Beim Bericht des Rechnungsprüfers am Samstag blieben viele Fragen offen. Es geht um diverse Ausgaben ohne Belege in hohem fünfstelligen Bereich.

Die Klimaanlage der Grugahalle (die angeblich den ganzen Tag gearbeitet hat, jedoch ohne Erfolg), soll den Saal über Nacht abkühlen. Hoffentlich gilt das auch für da eine oder andere erhitzte Gemüt.

Mit oder ohne Lucke?

Spannend bleibt auch die Frage nach der Zukunft des bei der Wahl um den ersten Vorsitzenden gescheiterten Bernd Lucke. Ob er die Partei, die er vor zwei Jahren gegründet hat und die nun von der ersten Vorsitzenden Frauke Petry geleitet wird, wohl zusammen mit seinen „Weckruf“-Kollegen verlassen wird?

Fortsetzung folgt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN