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Tsipras und Lagarde Griechenland will nicht zahlen: IWF weitgehend machtlos

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IWF Chefin Christine Lagarde, hier bei einem Termin in Brüssel. Foto: dpaIWF Chefin Christine Lagarde, hier bei einem Termin in Brüssel. Foto: dpa

dpa/Reuters/uwe Osnabrück . Bis Dienstag Mitternacht Washingtoner Zeit (Mittwoch 06.00 MESZ) muss Griechenland dem Internationalen Währungsfonds (IWF) 1,54 Milliarden Euro überweisen. Sollte das Geld nicht eingehen, wäre Griechenland das erste entwickelte Land, das seine IWF-Schulden nicht pünktlich zahlt. Viel tun dagegen kann IWF-Chefin Christine Lagarde allerdings nicht.

„Der IWF hat keine Sanktionsmöglichkeiten für einen solchen Fall“, heißt es in Washington. Dass das Geld gezahlt wird, ist unwahrscheinlich. Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte im griechischen Staatsfernsehen, die Zahlung werde nicht erfolgen, wenn es nicht doch noch eine Einigung mit den internationalen Gläubigern gebe .

Sollte es dabei bleiben, muss Lagarde zunächst das Führungsgremium ihrer Organisation unterrichten und den offiziell Zahlungsrückstand feststellen. Allerdings muss Lagarde nicht sofort zu handeln, wie der IWF-Europaexperte Bruno Silvestre betont. „Sie hat dazu bis zu einem Monat Zeit. Wann Sie das tut, hängt ganz von ihr ab.“ Doch werde dies vermutlich „eher früher als später geschehen“.

Dies könnte nach Ansicht von Finanzexperten in Washington bedeuten, dass der IWF zunächst das Ergebnis des griechischen Referendums am 5. Juli abwartet. Lagarde selbst hatte bereits deutlich gemacht, dass die Tür für weitere Gespräche mit Athen noch nicht vollständig zugeschlagen sei.

Ist der Zahlungsrückstand offiziell festgestellt, bedeutet dies zunächst „lediglich“, dass der IWF der Regierung in Athen keine weitere Kredite mehr gewähren darf. Unklar ist, wie die internationalen Ratingagenturen darauf regieren werden.

Bisher haben lediglich drei Länder IWF-Kredite nicht zurückgezahlt: Somalia, Sudan und Simbabwe. Säumige Zahler gab es dagegen öfter, etwa Argentinien und Peru.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat Griechenland Anfang der Woche weiter herabgestuft. Die Bewertung für die langfristigen Verbindlichkeiten sei auf „CCC-“ von zuvor „CCC“ gesenkt worden, teilten die Bonitätswächter am Montag mit. Die Bewertung bedeutet, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls besteht. Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone liege nun bei rund 50 Prozent. Der Ausblick sei negativ. Damit droht dem klammen Euro-Land in den nächsten sechs Monaten eine weitere Herabstufung auf den Status der Zahlungsunfähigkeit.

Die Ratingagentur Fitch senkt wegen der Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland den Daumen über die vier großen Banken des Landes. Fitch bewertet die Folgen für die Kreditwürdigkeit der Institute als teilweisen Zahlungsausfall („Restricted Default/RD“). Betroffen sind die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank Ergasias und die Alpha Bank.

Die Banken in Griechenland sind seit Montag geschlossen. Die Bürger können seither täglich nur maximal 60 Euro am Geldautomat abheben. Regierungschef Alexis Tsipras hatte die Schließung der Institute und die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen am Wochenende angekündigt. Zuvor hatten immer mehr verängstigte Bürger Bargeld abgehoben und damit die ohnehin angespannte Lage der Geldhäuser verschärft. Die Kapitalkontrollen sollen das Finanzsystem des von der Pleite bedrohten Landes stabilisieren.


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