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29.05.2015, 23:53 Uhr KOLUMNE

„heute show“: Bayern-Bashing an Blatter-Salat

Von Melanie Heike Schmidt

Achtung! Die Gegend in Bayern, wo der G7-Gipfel stattfindet, wirkt vielleicht idyllisch, aber das könnte täuschen. Gipfelgegnern droht angeblich Hochwasser-Gefahr, warnen Behörden. Die „heute show“ allerdings scheint das nicht ernst zu nehmen und machte sich kräftig lustig. Foto. ReutersAchtung! Die Gegend in Bayern, wo der G7-Gipfel stattfindet, wirkt vielleicht idyllisch, aber das könnte täuschen. Gipfelgegnern droht angeblich Hochwasser-Gefahr, warnen Behörden. Die „heute show“ allerdings scheint das nicht ernst zu nehmen und machte sich kräftig lustig. Foto. Reuters

Osnabrück. In seiner letzten „heute show“ vor der Sommerpause legte Grimme-Preisträger Oliver Welke noch einmal richtig los. Vor allem die Nordlichter hatten gut Lachen, denn aufgetischt wurde deftiges Bayern-Bashing an Blatter-Salat.

Eine köstliche Folge war das! TV-Lästermaul Oliver Welke moderierte sich am Freitagabend durch eine der besten Sendungen der vergangenen Wochen. Noch bevor Welke seine TV-Wochensatire eröffnete, servierte er schon den ersten Lacher: „Die nachfolgende Sendung enthält Homosexualität und kann Sie deshalb schwul machen“, warnte ein eingeblendeter Schriftzug. Eine Stimme aus dem Off wünschte „trotzdem gute Unterhaltung“. Die gab es.

Zunächst ließ Welke den bösartigen niedersächsischen Wortklauber Dietmar Wischmeyer von der Leine, der genüsslich über „Schmiergeld-Sepp“ und die Fifa-Affäre ablästerte. Sepp Blatter sei „der letzte Diktator Europas“, den er über die Maßen bewundere, so Wischmeyer. Auch das nachfolgende „korrupte Sportstudio“ widmete sich dem Schmiergeld-Skandal, der diese Woche die Fußballwelt erschütterte. Am Ende lag das „korrupte Sportstudio“ in Trümmern. Besonders lustig, wenn man bedenkt, dass Welke tatsächlich als „Sportstudio“-Moderator bekannt ist.

Gefahr auf der Wies`n?

Noch viel deftiger und umso witziger gerieten die Lästereien über den bevorstehenden G7-Gipfel, der auf dem idyllischen Schloss Elmau in Bayern stattfinden wird. Besonders das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen musste einstecken: Um Protestler abzuschrecken, sollten die Bauern dazu angehalten werden, keine Wiesen an die Demonstranten zu vermieten, frei nach dem Motto: Ein Protestler ohne Schlafplatz reist gar nicht erst an. Dem Amt wurde es nicht einmal zu doof, eine Wiese wegen „Hochwassergefahr“ sperren zu lassen. Im Bild dazu: eine anmutige, so gar nicht gefährlich wirkende Blumenwiese vor malerischer Bergkulisse. Ganze 50 Zentimeter Hochwasser drohten hier – bei Hochwasser!, ätzte Welke, der auch darauf hinwies, dass die gefürchteten Anti-G7-Demonstranten ja höchstens 30 oder 40 Zentimeter groß werden würden. Und Vor-Ort-Korrespondent Albrecht Humboldt erklärte, dass der G7-Gipfel damals im russischen Sotschi ja eine ganz andere Nummer gewesen sei als der nun in Elmau: „Russland ist ´ne Diktatur. Bayern ist ´ne Monarchie“, so Humboldt.

König Seehofer unter Strom

Fröhlich ging es weiter mit dem Bayern-Bashing, diesmal stand König Seehofer im Fokus: Weil der CSU-Landesfürst dafür plädiert, die notwendigen neuen Stromtrassen nicht in seinem schönen Bayern, sondern im benachbarten Baden-Württemberg bauen zu lassen, schaute sich ein offizielles Vermesser-Team schon mal in Heilbronner Vorgärten und auf baden-württembergischen Golfplätzen um, wo denn wohl die besten Plätze für die 75 Meter hohen Starkstrommasten der „Südlink-Trasse“ sein könnten. Erstaunlich, wie fuchsig die sonst so genügsamen Schwaben plötzlich werden können, wenn sie „Opfer für die Bayern“ bringen sollen!

Am Ende wünschte Welke noch einen harmonischen Grexit - und aus war die „Dauer-Homosendung“. Da freut man sich ja schon auf das Ende des Sommers, bevor der überhaupt angefangen hat.


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