Revolution für Barcelona geplant Ada Colau: Von Hausbesitzerin zur Bürgermeisterin

Von Ralph Schulze

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Hat einen Plan: Ada Colau könnte eine Revolution in Barcelona starten. Foto: imago/ZUMA PressHat einen Plan: Ada Colau könnte eine Revolution in Barcelona starten. Foto: imago/ZUMA Press

Madrid. Ada Colau kämpfte auf der Straße gegen soziale Ungerechtigkeit – jetzt ist die ehemalige Hausbesitzerin auf dem besten Weg, Barcelonas neue Bürgermeisterin zu werden.

Ada Colau ist so etwas wie die Heldin der spanischen Empörten – jener steil aufsteigenden Protestbewegung, die zur neuen einflussreichen Kraft im Königreich Spanien gewachsen ist: Die 41-Jährige demonstrierte gegen soziale Ungerechtigkeiten und rettete mit ihrer Selbsthilfe-Organisation „Plattform der Hypotheken-Geschädigten“ verarmte Krisenopfer. Jetzt ist die populäre Aktivistin und Ex-Hausbesetzerin Ada Colau auf dem Weg, die neue Bürgermeisterin Barcelonas zu werden.

Ihr Wahlbündnis „Barcelona en Comú – Barcelona vereint“, das zum Kampf gegen politischen Filz und Korruption antrat, siegte in der spanischen Kommunalwahl. Eine Allianz, die vor allem von der Protestbewegung Podemos (Wir können), aber auch von Spaniens Grünen und anderen linken Parteien getragen wird. Und die keinen Zweifel hat, in Barcelonas Stadtparlament eine tragfähige Mehrheit für Ada Colaus Wahl zur obersten Bürgerin zu erhalten.

Bescheidenheit, Bürgernähe, Transparenz

Gleich nach der triumphalen Wahlnacht verkündete die furchtlose Straßenkämpferin ihr Sofortprogramm, mit dem sie ihre Revolution in der Mittelmeermetropole Barcelona starten will. Sie versprach Bescheidenheit, Bürgernähe sowie Transparenz. Kündigte an, dass die Bezüge der Stadtverordneten auf 2200 Euro monatlich gestutzt werden. Dienstwagen soll es nicht mehr geben. „Wir werden mit den Privilegien aufräumen und mit gutem Beispiel vorangehen.“

Mit dem eingesparten Geld will Colau den vielen Armen helfen, die Spaniens tiefe Wirtschaftskrise in dieser Millionenstadt zurückließ: Sie möchte jenen, die durch Arbeitslosigkeit oder Wohnungsräumung alles verloren haben, eine kleine Stütze zahlen. Obdachlose Familien sollen Sozialwohnungen bekommen. Weitere gerichtliche Pfändungen, mit denen immer noch viele Mittellose aus ihren vier Wänden geklagt werden, will sie stoppen.

Die konservative Volkspartei erlitt Stimmeinbußen

Bislang regierte in Barcelona, der Hauptstadt der eigenwilligen Region Katalonien, die regionale Partei CiU. Dieses bürgerliche Bündnis, das bisher das öffentliche Leben in Katalonien beherrscht, ist durch schwere Korruptionsskandale belastet. Bis hin zum früheren katalanischen Regierungschef Jordi Pujol sollen prominente CiU-Politiker öffentliche Aufträge vorzugsweise gegen Schmiergelder vergeben haben. „Das organisierte Verbrechen hat sich unserer Institutionen bemächtigt“, sagt Ada Colau.

Colau kämpft seit Jahren

Der Kampf dieser resoluten Frau, die Philosophie studierte und Mutter eines Sohnes ist, begann bereits vor mehr als einem Jahrzehnt. Damals engagierte sie sich gegen die Globalisierung, dann gegen den Irak-Krieg, schließlich – im Krisenspanien – gegen die immer härteren Kürzungen bei sozialen Leistungen, in Kindergärten, Schulen, Unis und Krankenhäusern.

Unzählige Male stemmte sie sich Schulter an Schulter mit den Betroffenen gegen von Banken durchgesetzte Wohnungsräumungen, wurde von Polizisten aus den Häusern getragen. Sie selbst bezeichnet sich als „Aktivistin für Menschenrechte und Demokratie“. Spaniens größte Tageszeitung „El Pais“ konstatierte derweil anerkennend, dass sie zum „Symbol des Wandels“ in Spanien geworden sei.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN