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15.05.2015, 23:42 Uhr KOLUMNE

„heute show“: Und Lady Gaga ist die Ober-Illuminatin

Von Franziska Kückmann

Gute Show: Oliver Welke und sein Team haben alles gegeben. Foto: dpaGute Show: Oliver Welke und sein Team haben alles gegeben. Foto: dpa

Osnabrück. Am Ende wurde es richtig skurril: Die „heute show“ trieb sich auf einer absurden Demo gegen vergiftete Luft herum – und dabei ging es auch um Lady Gaga.

Die Briten gehen lassen? Auf keinen Fall! Die EU braucht doch den Royal-Faktor! Das war mal wieder eine amüsante Ausgabe der „Heute Show“ am Freitagabend im ZDF.

Die politische Woche bot genügend Angriffspunkte: das europäische Flüchtlingskonzept, den britischen EU-Widerwillen, die Bremen-Wahl. Ach ja, und da war noch eine seltsame Verschwörungstheorie-Demo in Berlin – dazu später mehr.

Kates Glamour

Richtig gut: das Briten-Bashing des Teams um Moderator Oliver Welke. Der Inselstaat bekam einiges ab in dieser Episode. Wie widerwillig London sich der Flüchtlingspolitik stellt oder, und da wird ein Zitat von Premier David Cameron eingespielt, es völlig okay findet, sich nur das aus der EU rauszupicken, was gerade gefällt – Welke regt sich königlich auf.

Apropos königlich: In Wirklichkeit hängen wir Festland-Europäer ja ohnehin nur an den Briten, weil sie so ein schillerndes Königshaus haben – und Kates Baby, das ist einfach zu süß! „Korrespondentin“ Monika Gruber macht es in ihrer Live-Schaltung aus London deutlich: Was wäre Europa ohne Kate, William und Co.? Auf jeden Fall um eine Attraktion ärmer. „Brexit“? Der darf deshalb auf keinen Fall sein!

„Lernt“ oder „lehrt“?

Und dann das: War es tatsächlich ein gruseliger Verschreiber oder etwa Absicht? Falls Letzteres zutrifft: Der tiefere Sinn dieses grammatikalischen Fehlers blieb verborgen. „Was lernt uns das?“ lautete ein eingeblendeter Schriftzug zur Bremen-Wahl. Natürlich muss es heißen: „Was lehrt uns das?“

Der Twitter-Gemeinde fiel der Fauxpas freilich sofort auf. Spott und Häme ergossen sich über die Gag-Schreiber der Show. Übrigens: Der Hashtag „#heuteshow“ lag ganz vorne während der Sendung und auch noch kurz danach. Die meisten Twitterer zollten Welke und Co. Respekt für eine insgesamt gelungene Show.

Gift am Himmel?

Den Höhepunkt hatte sich das Team für den Schluss aufbewahrt: Lutz van der Horst, der sich auf einer „Anti-Chemtrail-Demo“ in Berlin herumtrieb. Für alle, die nur Bahnhof verstehen: In Wirklichkeit versprühen die Bösen (ergo: die Amerikaner) nämlich giftige Chemikalien in die Luft, ganz hoch über uns. Das sind diese Streifen, die hinten aus Flugzeugen rauskommen. Hochgiftig. Und wir atmen das alle ein.

Ah ja.

Lutz van der Horst hat es raus, mit solchen Verschwörungstheoretikern umzugehen. Sie mögen ihn mit „Lügenpresse“ beschimpfen oder, das war so ein ganz skurriler Typ, ihm ganz ruhig sagen: „Ich bin nur hier, um dich zu beobachten.“ Lutz van der Horst bleibt gelassen. Und souverän. Und bringt seinem Gegenüber so viel Ernsthaftigkeit entgegen, dass der aus sich raus kommt und doch noch mit der „Lügenpresse“ spricht.

Die Sendung war gut. Kleine Schwächen hat der gute Lutz am Ende rausgerissen. Ach ja, und Lady Gaga ist übrigens das Oberhaupt der ganzen „Illuminaten-Mucke“ und versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen (Zitatende eines interviewten Demonstranten).

Verwirrt? Macht nichts. Diese Chemtrail-Verschwörungstheorie in Gänze zu durchdringen, ist dann doch ein wenig zu ambitioniert...


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